Inmitten der Krisen des frühen Erwachsenenalters, geprägt von Verlusten und zugleich durchzogen von einem starken Hoffnungsschimmer für das Kommende, entfaltet sich ein ungezähmter Garten, der nach sorgsamer Pflege verlangt.
Lange Zeit hat sich das österreichische Trio oh alien um die Entwicklung dieses blühenden Grüns bemüht. Nun, in der Blütezeit, kann die Musikwelt endlich von den bunten Früchten des Debütalbums „What We Grow“ naschen.
Rafael Henninger, Anselma Schneider und Luca Weigl bilden ein Trio von kreativen Hobbygärtnern, die frische, authentische und außergewöhnliche Popmusik kreieren, wie es ihr Bandname bereits andeutet.
In der musikalischen Grünanlage gedeihen verschiedene Blüten, die mit ihren Düften von Synthesizern, filmreifen Indie-Klängen und tief bewegenden Balladen die Luft erfüllen.
Für ihre jüngste Ernte „What We Grow“ holten sie sich Unterstützung von namhaften Talenten, darunter der Grammy-Gewinner Chris Tabron und Sixtus Preiss, Schlagzeuger und Mitbegründer des „Jazzwerkstatt Wien“ Kollektivs.
Schon vor der Veröffentlichung gaben die drei Künstler*innen auf ihren Social-Media-Profilen Einblicke in die Entstehung des Albums, wo sie Szenen aus dem Studio teilten – geprägt von viel entspanntem Rumsitzen und Biertrinken.
Die 12 Songs des Albums sind erfüllt von einer überschäumenden Hoffnung und einem starken Verlangen, das Leben wieder in seiner ganzen Intensität und Tiefe zu erfahren. Ein vielschichtiges Werk, das trotz seiner Diversität einen klaren gemeinsamen Nenner hat. Ein wahrlich würdiger Nachfolger der emotional aufgeladenen EP „This Might Be The Place“ aus dem Jahr 2022.
Auf „What We Grow“ legen Oh Alien und ihre Helferlein im Vergleich zur EP ein höheres Tempo vor und zeigen sich von einer mutigeren Seite. Die Band wagt sich an Experimente mit verschiedenen Sounds und Musikrichtungen, während sie avantgardistische Dream-Pop-Blüten geschickt in die Tracklist einweben.
Das Trio bietet nicht nur ein fesselndes Abenteuer für die Ohren, sondern bringt ihre künstlerische Vision auch in ihren Musikvideos zum Ausdruck, die sich durchaus als preiswürdige Kurzfilme qualifizieren könnten.
Im Musikvideo zu „Toothpaste„, bei dem Regisseur Clemens Niel hinter der Kamera stand, schlüpfen die Bandmitglieder in die Rollen von Zahnbürste, Zahn und Zahnpastatube und begeben sich verkleidet als Utensilien der Mundpflege auf eine philosophische Suche nach dem Lebenssinn.
In einem weiteren von Niel inszenierten Clip, „The Dream“, entfliehen die Musiker in die Wildnis, begleitet von Bodybuildern, die schließlich die Rollen der Band übernehmen und selbst zu den Instrumenten greifen.
Die Kombination aus Klängen, die sich anfühlen, als würde man zwischen Fieber- und Klarträumen navigieren, zusammen mit dem fesselnden Gesang, der den Songs eine ungezähmte und elektrisierende Atmosphäre verleiht, sowie den eindrucksvollen Visuals kreieren die drei Österreicher einen Soundtrack, der die flimmernden Träume von Menschen in ihren Zwanzigern und den Außenseitern der Gesellschaft einfängt.
Die Truppe heißt nicht ohne Grund oh alien – in ihren raffinierten Balladen und anspruchsvollen Popsongs verbirgt sich stets ein Hauch von Exzentrik, der neugierig macht und den Wunsch nach ganz viel mehr Grün weckt.

