Die 26-jährige Billie Marten veröffentlicht dieser Tage ihr bereits fünftes Studioalbum. Mit „Dog Eared“ legt die junge Engländerin dabei ein erstaunlich reifes, abgeklärtes Werk vor, dessen unheimlich dichter Sound schon beim ersten Hören beeindruckt.
Wer nach einer Metapher für die Musik Billie Martens sucht, wird gleich im Opener „Feeling“ fündig. „Softer than a rabbit ear“ singt sie dort mit klarer, hin und wieder in luftige Oktavhöhen abkippender Stimme. Gleichzeitig streicheln Steel-Gitarren-Klänge sanft unseren Gehörgang.
Nicht weniger geschmeidig erklingt „Crown“, der zweite Song der Platte. Mit seiner lässigen Coolness erinnert er an Stücke der großen Amy Winehouse. Marten, die sich bereits seit ihren Kindertagen als Songwriterin betätigt, bedient sich hier erneut eines tierischen Elements: So platziert sie im Pre-Chorus von „Crown“ eine im Schatten sitzende Katze. „the cat sits in the shade / and I am not afraid of love.” Werden solcherlei Textzeilen dann noch mit pastellfarbenen, gefühligen Musikvideos verknüpft, liegt der Kitsch-Vorwurf nicht fern.
Aber ist das Leben in den Zwanzigern, das auf „Dog Eared“ in den Fokus genommen wird, nicht auch oft einfach so? Viel stimmiger erscheint es daher, Martens so detailverliebte wie gefühlsbetonte Musik als Äquivalent zur Literatur ihrer Generationsgenossin Sally Rooney zu sehen.
Im charmant plätschernden „Clover“ bringt die in London lebende Künstlerin die Dilemmata des Erwachsenwerdens schließlich auf den Punkt. „a contradiction: Act naturally“, heißt es darin. In einer Welt voller Vorgaben und Verunsicherungen ist die Suche nach dem eigenen Weg keineswegs trivial.
So leicht und zart das zusammen mit Phil Weinrobe produzierte „Dog Eared“ auch erklingen mag, trägt es eine Menge Gepäck mit sich herum, das die ehemalige Kurzzeit-Literaturstudentin in ihrer ganz speziellen Ästhetik in kleine Text-Miniaturen packt.
Ins Deutsche übersetzt, lautet der Titel des Albums „Eselsohren“ – eine weitere tierische Metapher, die wahrscheinlich die treffendste ist. Denn trotz vordergründiger Geschmeidigkeit sind es vor allem die kleinen lyrischen Knicke, die den Longplayer zu einem besonderen machen.

