Cass McCombs ist einer der Unerschütterlichen. Die Qualität seiner Diskographie hat seit mehr als zwei Dekaden eine Konstanz, die Seltenheitswert genießt. Sein neuestes Werk „Interior Live Oak“, ein Doppelalbum, reiht sich hier nicht nur mühelos ein, sondern setzt eine weitere Spitze.
Es ist sein bestes, seit „Magny Love“ von 2016 und vielleicht so nahe dran an Elliott Smith, mit dem er sich seit jeher vergleichen muss, wie nie zuvor. In erlauchten Indie-Kreisen hat sich das bereits herumgesprochen, weshalb er dieses Jahr schon mit Beth Gibbons und Beach House getourt ist.
Spannender noch sind allerdings die Weggefährten aus der Bay Area, die er seit seinen Anfangstagen kennt und für die Aufnahmen zu seinem 11. Studioalbum gewinnen konnte. Da wären etwa Jason Quever von den Papercuts sowie Chris Cohen. Auf der anderen Seite der USA steuerten die langjährigen Mitstreitern Matt Sweeney und Mike Bones in New York Aufnahmen bei, deren Gitarrenspiel sich Ideale mit Cass’ eigenem markanten Stil ergänzen.
Entstanden ist so ein beständiger Strom aus Melodien, Andeutung und feinem Humor, wie er nur aus jahrelanger Freundschaft und geteilten Geschichten möglich scheint. Wie ein Gespräch am Küchentisch, bei dem man irgendwann feststellt, dass Stunden vergangen sind. 16 Songs und nicht einer zuviel.
McCombs jubelt seinen Stücken diese coolen Indie-Vibes unter, wie im herrlich treibenden „Asphodel“, und klingt dann bei getrageneren, emotional tiefschürfenden Stücken wie „Van Wyck Expressway“ einmal mehr nach der melancholischen Seite eines Elliott Smith.
Was „Interior Live Oak“ dabei auszeichnet, ist seine Geschlossenheit, trotz der Stimmungsbreite, der sich Cass McCombs hingibt. Auch das trägt zu einem der kurzweiligsten Doppelalben aller Zeiten bei.
Der Guardian nennt den Kalifornier, der seit über 20 Jahren wie ein rastloser Chronist durch Folk, Psychedelia, Country und Indie streift, deshalb auch völlig zurecht, einen der zuverlässigsten und besten Singer/Songwriter Amerikas. Ein besseres Singer/Songwriter-Album muss 2025 schließlich auch erst noch erscheinen.

