Website-Icon MusikBlog

Parcels – Loved

Grauer Himmel, leere Bierflaschen rollen über den Bordstein, die ersten Spätis öffnen ihre Türen. Die Stadt wirkt schwer. Und mittendrin sind Parcels, fünf Australier, die hier in Berlin seit Jahren leben und mit „Loved“ ein Album vorlegen, das das genaue Gegenteil dieser Szenerie verkörpert. Leichtfüßig, sommerlich, einladend.

Ihr drittes Werk ist made in Berlin, weniger Rückzug als Aufbruch, weniger Konzept als Feier des Augenblicks. Nach dem Doppelalbum „Day/Night“ (2021), das in seiner Schwere unüberhörbar von Pandemie und Selbstbefragung geprägt war, wirkt „Loved“ wie eine Rückkehr zum Ursprung: Songs aus dem Bauch, Melodien, die sich anfühlen wie Sonnenstrahlen auf der Haut.

Aufgenommen zwischen Berlin, Australien und Mexiko, atmet die Platte das Lebensgefühl, mit dem Parcels in Byron Bay aufwuchsen: Surfen, Gemeinschaft, endlose Tage am Strand. Es ist ein nostalgisches Zurückschauen und gleichzeitig der Versuch, diese Energie in ein neues Kapitel zu übersetzen.

Musikalisch setzen Parcels weiter auf ihr bewährtes Fundament: Funk, Pop und elektronische Verspieltheit. „Tobeloved“ eröffnet das Album mit einem luftigen Indie-Pop-Entwurf, der Ohrwurmpotenzial mit unerwarteter Tiefe verbindet.

Zwischendurch schimmern auf „Loved“ Yacht-Rock-Referenzen auf, Synth-Funk treibt die Grooves, und in den längeren Tracks wagt die Band Improvisationen, die an Tortoise erinnern. Genau hier blitzt der Wille zum Risiko auf, es ist ein deutlich experimentelleres Album als die früheren.

Doch darin liegt auch die Schwäche: Was als spielerische Freiheit gedacht ist, kippt nicht selten in Länge. Die Improvisationen verlieren sich, der Sommerglanz verfliegt, und plötzlich klingt „Loved“ weniger nach Sonnenstrahlen als nach einem Nachmittag, an dem die Zeit einfach nicht vergehen will.

Die Band will „unity“ beschwören, ein kollektives Erlebnis schaffen, doch dieses Gemeinschaftsgefühl wird streckenweise von repetitiven Passagen erdrückt. Manchmal wirkt die Platte eher wie ein endloser Jam als wie eine pointierte Songkollektion.

Und trotzdem: In seinen besten Momenten gelingt Parcels ein faszinierendes Album zwischen Nostalgie und Gegenwart, zwischen Introspektion und Eskapismus. „Loved“ ist süß, saftig, klebrig. Nur manchmal eben auch zu viel davon.

Die mobile Version verlassen