Mumford & Sons sind wieder da – schon wieder? Wer glaubte, dass nach dem lang ersehnten „Rushmere“ vom letzten Jahr erneut sieben Jahre vergehen würden, wurde mehr als überrascht. Nur 11 Monate nach dem Vorgänger erscheint der neue Longplayer „Prizefighter“.
Beginnt hier eine neue Ära der Massenproduktion? Wohl eher nicht. Vielmehr deutet die enge Taktung zwischen den beide Release-Terminen darauf hin, dass sich Marcus Mumford, Ted Dwane und Ben Lovett nach längerer Durststrecke wieder gefunden haben und als produktives Trio zusammenwirken.
Ein Schnellschuss ist das sechste Studioalbum auch deshalb nicht, weil ein Großteil der Songs bereits vor der Veröffentlichung von „Rushmere“ entstanden ist. So konnte man sich in einer zehntägigen Aufnahme-Session in New York vor allem darauf konzentrieren, den neu entfachten Teamgeist musikalisch einzufangen.
Dass dies gelungen ist, beweist „Prizefighter“ eindrücklich, ohne dabei eine plumpe Fortsetzung des Back-To-The-Roots-Vorgängers zu sein. Dies mag auch damit zu tun haben, dass sich Mumford & Sons eine Reihe von spannenden Feature-Gästen ins Boot geholt haben.
So tritt gleich im Opener „Here“ der US-Musiker Chris Stapleton auf, der neben Gigi Perez, Gracie Abrams und vor allem Produzent Adam Dessner für die US-amerikanischen Einflüsse auf der Platte steht. Mit seinem ganz eigenen Country-Groove erweitert Stapleton die klassische Mumford-Dramaturgie um eine neue Facette.
Ähnliches lässt sich auch über den Gastauftritt von Hozier sagen, der auf „Rubber Band Man“ die zweite Strophe singt. Dem handwerklich fein produzierten, Herzen öffnenden Folk-Song fügt der irische Musiker subtil eine weitere Klangfarbe hinzu.
Dass die drei Briten auch ohne solcherlei Geheimzutaten bestens funktionieren, zeigen beispielhaft atmosphärische Stücke wie „Shadow Of A Man“ oder „Alleycat“, die ein Album komplettieren, das in seiner Sogkraft und Gegenwärtigkeit dem allseits gepriesenen Debüt „Sigh No More“ (2010) um nichts nachsteht.
„I don’t look back, cause I’m still here”, heißt es dementsprechend auch programmatisch im Titelstück „Prizefighter“. Dem kann man nur beipflichten. Mumford & Sons sind wieder da. Mit einer erstaunlichen Präsenz.

