Website-Icon MusikBlog

Naked Lunch – Live im NAUMANNs, Leipzig

Nicht viele Besucher*innen hatten sich am Donnerstag im NAUMANNs über dem Felsenkeller eingefunden, unverständlich, schließlich hatten sich dort mit Naked Lunch Alternativ-Legenden angesagt.

Bevor die an den Start gingen, nutzten die Lokalmatadoren JF Ida ihre Gelegenheit, eine Handvoll leidenschaftlicher Indie-Nummern vorzustellen und ein brauchbares PJ Harvey-Cover in den kleinen Saal zu rotzen.

Auch in einem dünn besuchten Venue versprühten Sänger Oliver Welter und sein Ensemble bereits eine besondere Aura, als sie ihr Equipment in Stellung brachten. Schließlich war nicht zu erwarten, dass er mit seinem Projekt Naked Lunch noch einmal zu einer derartigen Großtat ansetzt, wie mit dem grandiosen Comeback-Album „Lights (And A Slight Taste Of Death)“ im vergangenen Jahr geschehen.

Mit „God“ von „Songs For The Exhausted“ stiegen die Österreicher*innen in den Abend ein, nahmen mit dem Stück – das über zwei Jahrzehnte nach seinem Erscheinen nichts von seiner organischen Strahlkraft eingebüßt hat – das Publikum in den Arm, um es bis zum Schlussakkord des Konzerts nicht mehr loszulassen.

Eine lange Feinabstimmung zwischen Welter und seiner neuformierten Band war nicht nötig, hatte sich das Quintett mit „Blackbirds“ vom neuen Werk spiel- und gesangstechnisch bestens synchronisiert und die Mischerin den Sound im Griff.

„To All And Everyone I Love“ schrie den Leitsatz des Kommenden geradezu heraus, der empathische Frontmann ließ keinen Zweifel daran, dass alle Anwesenden – schon gar nicht der Haustechniker Franz, der kurz nach Beginn den Fortgang des Veranstaltung sicherte – unbedingt dazu gehörten.

Es blieben in der Wohnzimmer-Atmosphäre, neben dem ein oder anderen Bier, genug Zeit für G’schichten und Danksagungen an den ehrlichen Teil der Menschen im Musik-Business und überall sonst.

Die Euphorie übertrug sich von der Bühne auf das Publikum, waren Melancholie, Sinnkrisen und der Lebensmut des Naked-Lunch-Anführers – der nicht nur via „Only Hollow“ an der exponierten Lage seines zeitweiligen Seelenzustands teilhaben ließ – nach seiner langwierigen Krebserkrankung und sein unbedingter Wille, einmal mehr aufzustehen, als dass er zu Boden geht, zwischen den Noten physisch spürbar.

Vom lichtdurchfluteten Klassiker „The Sun“ über das herz-wunde „Dreaming Hiroshima“ und dem Entstehen und dem Zerfall der Harmonien in „First Man On The Sun“ bis zum sphärisch-psychedelischen Trip „In The Dark“ zündeten die Hits von einst so eindrucksvoll, wie mit es den donnernden „Go Away“-Rock oder dem Free-Jazz-Finale von „If This Is The Last Song You Can Hear“ Beiträgen von der aktuellen Ausgabe gelang.

„Come Into My Arms“ sang Oliver Welter im Verlauf der Show, eine Aufforderung, der gern gefolgt wurde, blieben doch in der warmen Naked-Lunch-Melange aus Pathos, Melodie und Emotionen die Widrigkeiten des Zeitgeschehens für einen Moment vor der Tür.

Die mobile Version verlassen