Für ausgelassene Stimmung sind Naked Lunch nicht zuständig und das bleibt auch auf ihrer neuen Ausgabe „Lights (And A Slight Taste Of Death)“ so.

Von den Männern um Mastermind Oliver Welter gibt’s auf dem nunmehr siebten Album eine Reise durch das Labyrinth der Emotionen, in deren Verlauf das Kleine groß und das Große klein erscheint, die Songs wie Grablichter im November flackern.

12 Jahre nach „All Is Fever“ nimmt die Band aus Klagenfurt mit auf ihren Weg zum inneren Kern menschlichen Verhaltens, legt sich „To All And Everyone I Love“ gleich zu Beginn allen Verlorenen, Verlassenen und Kaputten als ein wärmender Mantel um die Schultern, wird die Platte im Verlauf für die erklingen, die sich ihre Würde in aller Stille bewahren.

Der Gesang schleppt sich in „We Could Be Beautiful“ über Bummelbeat und zitternde Gitarrensaiten, taucht „Go Away“ nach einer donnernden Ouvertüre in eine Zwischenwelt, dräut maschinengetrieben dahin, saugt für den Schlussakkord alle Energie um sich herum ein, um in Schall und Wahn zu zerfallen.

Wieviel musikalische Vielfalt die Österreicher aus der Symbiose synthetischer und organischer Klangerzeuger für die 14 Nummern generieren, ist schlicht beeindruckend. Für „Bring On The Lights“ tanzen Piano- und Hammondtöne Klammerblues, schwebt das Stück von Bläsern getragen in den Dream-Pop-Himmel.

„All The Same“ und „Blackbird“ sowie „I Saw“ gehen als LoFi-Garage-Grunge-Best-Of durch und eine komplexe Komposition wie „If This Is The Last Song You Can Hear“ bekommen Arcade Fire nur mit viel mehr Personaleinsatz auf die Straße.

Das intime Kammerspiel „As I Lay Down Dying“, der dringliche Appell „Love Don‘t Love Him Anymore“ und erst recht das nackte „Fuck My Senses“ hinterlassen Gänsehaut, wird „Come Into My Arms“ von Melancholie geflutet, folgt am Ende das aufwühlende „Going Underground“ Orpheus aufrecht in die Unterwelt.

Für dunkle Zeiten schenkte die Elbenkönigin Frodo Licht, Naked Lunch schenken uns dafür dieses Album.

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