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STONE – AUTONOMY

„I need anything, maybe help“. Mit diesen Worten aus dem Titeltrack „Autonomy“, dem Zweitwerk der britischen Rockheilsbringer Stone, kann man wohl die Entstehungsgeschichte des Albums am treffendsten beschreiben. Nach dem Erfolg des Debüts „Fear Life For A Lifetime“ und exzessivem Touren war die Band um Frontmann Fin Power ausgebrannt. Sogar eine Auflösung stand im Raum.

Diese unruhige Zeit spiegelt sich wider in den 13 Tracks von „Autonomy“. Die Britpop-Anleihen des Vorgängers sind fast vollkommen einem geraden, rohem Sound gewichen, der die Liveenergie der Band perfekt einfängt.

„Autonomy“ ist aber auch, wie schon der Vorgänger, ein sehr persönliches, selbstreflektives und vor allem kritisches Album geworden. So zeigt „Monkey See Monkey Do“ den Mittelfinger in Richtung Musikindustrie mit rotzigem Punk und knackiger Spiellänge.

„Never Again“ fühlt sich unwohl in der Majorlabel-Maschinerie, in der sich Stone befanden und setzt einen musikalischen Befreiungsschlag mit einem wütenden Refrain, der das Blut in Schockstarre versetzt.

„Stack Up The Reasons“ wartet mit donnernden Riffgitarren auf Fin Powers Erlösung aus negativen Gedankenspiralen. Er sucht seinen Ausweg aus der Band, die Hörerschaft erfreut sich an einem wuchtigen, drumgetriebenen Refrain.

„Rockmount“ klingt nach gepitchten Oasis, hat einen Refrain, den selbst die Gallagher-Brüder nicht besser fabriziert hätten und dazu eine makellose Soundexplosion, die live ganze Menschenscharen zum Toben bringen wird.

Stone’s Reputation als grandioses Liveerlebnis wird sich mit dem rollenden Gitarrensound von „Blackstripes“ sicherlich erweitern, ebenso wie das offene Intro von „Money (Hope Ain’t Gone)“ mit seinem ekstatischen Spannungsbogen dazu beiträgt, dass Stone ein breites Publikum ansprechen.

Das gesamte Album ist energiegeladen und brachial, so wie der Song „Moulin Rouge“. Fin Power legt noch einmal den Finger in die Majorlabel-Wunde, bohrt mit knarzendem Riff, fiebrig psychotischen Saiten und einem Basslauf mit erhöhtem Blutdruck schmerzhaft nach, was seinen manischen Sprechgesang schon fast wie ein Polizeiverhör wirken lässt.

„The taste in my teeth is like ass“ stellt „Sweet Heroine“ fest, krallt sich an Gitarrenriffs aus den 70ern und Powers verletzlicher Suchtaufarbeitung, die zumeist auf den Knien stattfindet.

„Picture“ erfordert es, auf den Beinen zu sein. Als hätte Richard Ashcroft irgendwann mal den Verstärker von Pulp gefunden, trollt sich der Titel britisch rockend und poppend hin zum charismatischen Refrain, der live sicherlich tausende Kehlen erschallen lässt.

Der britischen Insel treu bleibt auch „Truman“, dessen reduziert echoender Basslauf auf einen knarzenden Krawallrefrain hinarbeitet.

„Autonomous“ darf als Interlude verstanden werden, diese mit Sprachsamples und Videospielarcadesounds aufgepeppte Sozialkritik rollt aber doch den roten Teppich für das abschließende „Freezing“ aus:

Die Energie ist raus, das Leben kehrt zurück. Powers krönt sich zum Gralsritter des Britrock, wenn er im Chorus stimmliche Himmelspforten beschreitet und der Zuhörerschaft die Liebe wiederbringt.

Letztlich haben es Stone wohl selbst geschafft, der verzweifelte Ruf nach Hilfe ist der Erkenntnis gewichen, dass Liverpool durchaus noch eine Band vertragen kann, die die Musikgeschichte nachhaltig beeinflussen kann.

„Fear Life For A Lifetime“ hat den Britrock wachgerüttelt, „Autonomy“ hat ihm seine Stimme zurückgegeben. Freuen wir uns darauf, den Britrock mit Stone live feiern zu dürfen.

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