Slothrust haben gestern die beiden neuen Singles „Ring The Bell“ und „00101001“ veröffentlicht. Die Songs stammen von ihrem neuen Album „What They Grow In The Garden“, das am 18. September via Equal Vision Records erscheint.
Wer bei „Dystopian Theatre Rock“ – so nennt die Band selbst ihren neuen Sound – an klapprige Nebelmaschinen und Samtvorhänge denkt, liegt ziemlich daneben: Gemeint ist ein Genre-Eigengewächs, das unserer digital überreizten Gegenwart schonungslos den Spiegel vorhält.
Slothrust treten inzwischen nur noch zu zweit an: Leah Wellbaum und Will Gorin haben sich in Los Angeles eingerichtet und liefern mit „What They Grow In The Garden“ das bisher wildeste, ambitionierteste Werk ihrer Karriere ab.
Produziert haben Slothrust die Platte gemeinsam mit Jordan Witzigreuter, besser bekannt als The Ready Set – und der Griff nach den Sternen hat sich gelohnt.
12 Songs, irgendwo zwischen Grunge-Erbe und theatralischem Stadion-Rock, mit Ecken und Kanten, die man von Slothrust so noch nicht kannte.
Der frühere Vergleich mit Nirvana wirkt inzwischen fast wie ein Missverständnis: Die Band hat sich musikalisch längst emanzipiert und ihren ganz eigenen, unverwechselbaren Sound gefunden.
Inhaltlich geht es Wellbaum und Gorin um nichts Geringeres als den digitalen Dauerkonsum und das Menschsein im Spätkapitalismus – Orte wie „der Garten“ oder „der See“ dienen dabei als surrealistische Kulissen für eine Reise nach innen. „Wir entfernen uns immer weiter von einer taktilen, organischen Menschlichkeit“, bringt Wellbaum die Diagnose auf den Punkt.
Vorab-Kostproben gab es schon: die Single „Burn The Deck“ sowie druckfrisch die beiden Songs „Ring The Bell“ und „00101001“. Musikalisch bleibt sich das Duo dabei angenehm treu und untreu zugleich.
Zur Einordnung lohnt ein Blick zurück: Zum Vorgängeralbum „Parallel Timeline“ von 2021 hieß es im MusikBlog-Review, das Album „könnte der Neustart für eine vielversprechende, musikalische Veränderung sein“ – eine Prophezeiung, die sich mit dem neuen Werk nun endgültig erfüllt.
Am Ende bleibt bei Slothrust vor allem die Hoffnung: Selbst im Flackern des Bildschirmlichts lässt sich echte Freiheit finden, wenn man nach innen statt aufs Handy schaut.
Passend dazu gibt es zu „Ring The Bell“ ein Lyric-Video unter der Regie von Mind Reader Inc., das Wellbaum und Gorin vor einem kleinen Fernseher mitten auf einem Feld zeigt – irgendwo zwischen Lagerfeuerromantik und Found-Footage-Horror.

