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The Strokes – Reality Awaits

The Strokes haben es den Fans mit ihrem neuen Album „Reality Awaits“ nicht leicht gemacht. Nicht nur, dass die Veröffentlichung um einen Monat verschoben wurde und die anstehende Tour ohne Nick Valensi stattfindet – auch, dass bei den New Yorkern dato Autotune zum Stilmittel wird, führte zu kontroversen Diskussionen.

Dabei stand der technische Eingriff vorab dem geschmeidigen „Going Shopping“ und dem melancholischen „Falling Out Of Love“ nicht schlecht, auf die negativen Reaktionen folgte prompt ein fast trotziges Statement von Albert Hammond Jr., der „Reality Awaits“ zu seinem Lieblingsalbum erklärte.

Dass The-Voidz-Mitbringsel von Julian Casablanca bleibt der Platte einer Band erhalten, die die Weiterentwicklung ihres Sounds vorantreibt, sich auf ihrer siebten Ausgabe von Gewohntem geradezu demonstrativ löst und sich wie ein Stürmer an der Abseitslinie auf einem schmalen Grat zwischen Hörererwartung und ihrer (Neu-)Interpretation von Coolness, Kunst und Klangtiefe bewegt.

Der Einsteiger „Psycho Shit“ dockt mit breit angelegtem Arrangement, epischer Strahlkraft und inhaltlicher Tiefe um die Entwertung des Einzelnen, nahe am Sound an, der auf „The New Abnormal“ den Schlussakkord bildete, ist hier auch wieder das Stimmtuning im Einsatz, worauf „Dine N`Dash“ im Anschluss verzichtet und der Frontmann die Lyrics – hier leicht mit Dark-Pop untermalt – in seinem typischen Tonfall herunterspult.

Thematisch vom aktuellen Zeitgeschehen durchtränkt, sind die meisten der neun Nummern mit gebremster Schlagzahl unterwegs, verändern dabei beständig mit unerwarteten Brechungen unter dem Klangprisma ihre Choreografie, laut wird es eher selten, etwa, wenn „Lonely In The Future“ eingangs ein Hardrock-Riff rausrotzt.

Nikolai Fraitures Bass führt „Going To Babble On“ durch New-Wave-Welten, „Liar’s Remorse“ hält sich – bis hin zum Spielkonsolenthema – an wenig, was mit Songstruktur verbunden wird.

Die karibischen Gefühle von „The Fruits Of Conquest“ werden von den Hi-Hats Fabrizio Morettis präzise getaktet, „Tyrants Of The Mellow Moon“ wirkt wie eine Abgesang auf Indie-Tage und Nächte, die es so nicht mehr gibt.

„Reality Awaits“ zelebriert die Fusion von The Strokes-Twang-Hooks mit glitzernder Synthetik so differenziert, dass es hier im Grunde wie beim Vorgänger schon wieder nach Grammy klingt – nur anders.

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