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Interpol – This Mirror Weighs A Ton

Künstlerfoto: Interpol

Zur Produktion eines neuen Albums erstmals nach zehn Jahren zurück in New York, dazu mit Partisan Records bei einem neuen Label, das mit einem Portfolio von PJ Harvey bis Geese für den gehobenen Alternative-Anspruch steht. Beste Voraussetzungen also für Interpol, um nach dem 2022er „The Other Side Of Make-Believe“ eine neue Platte ins Rennen zu schicken.

Ihr Corporate Design trägt weiter Sonnenbrille, wo Paul Banks die Saiten anschlägt, kann die Antwort von Daniel Kessler nicht weit sein, diesmal nicht nur mit der Gitarre, sondern vorab im Titeltrack auch mit seiner Stimme, die seit „PDA“ vom 2002 Debütalbum nicht mehr zu hören war. Nach einem fragmentierten Einstieg formt sich hier aus der Summe der einzelnen Teile unaufhaltsam die Melodie, lotst das Stück mit einem satten Crunch auf dem Bass und den deutungsoffenen Lyrics des Frontmanns ins Sound-Fahrwasser der Alternative-Ikonen.

Der Charlie-XCX-Produzent Andrew Wyatt hat in seinem Studio in Manhattan dem Interpol-Design neue Facetten hinzugefügt, deutlich war beim bereits im Vorfeld zugänglichen „Iron City“ zu hören, das mit seiner Film-Noir-Dramaturgie einen neuen Spot auf das Klangdesign der Band warf.

Gut getimte Tempowechsel prägen den Verlauf von „This Mirror A Weights A Ton“, „Wings On Fire“ rockt nach vorn, im moll-beschatteten „Ever The Actor“ tragen Streicher dick auf und auch in den restlichen Nummern sind beim eingesetzten Equipment einige Neuzugänge zu verzeichnen.

„So Rides The Reindeer“ platziert zwischen dem Quietschen auf  dem Griffbretts allerlei Effekte, wozu die Orgel ein The-Doors-Gedächtnisthema spielt. „Darling Thoughts“ ist als kürzestes Stück der Platte in hitverdächtige Eleganz gehüllt, „Wake Up“ sprüht vom verspielten Riff bis zum flackernde Abschied vor Übermut.

Von schwarzen Tasten getragen choreografiert sich „Enemy“ in ein kammermusikalisches Format, „Bird And The Serpent“ zieht eine tiefe Interpol-Furche, verdichtet sich mit vielschichtigem Gesang atmosphärisch in dem Maß, in dem sich Banks Gesang zuspitzt, um von Holzbläsern sanft geerdet zu werden.

Wenn „Sudden“ den Mantelkragen hoch schlägt und ins Nieselgrau verschwindet, sind Interpol nach fast 30 Dienstjahren auch mit ihrer achten Ausgabe zeitlos geblieben.

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