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Kristin Hersh – Sugar On Blackstone

Künstlerfoto: Kristin Hersh

Veröffentlichungen von Anfang September bis Anfang Oktober kann man kommerziellen Suizid nennen, denn die größten Namen sparen sich ihre Alben traditionell für diese Zeit auf. Kristin Hersh ist kein großer Name, schreckt mit „Sugar On Blackstone“ davor aber nicht zurück.

Ihre Alben „Possible Dust Clouds“ (2018), eine Verzerrer-Starkstrom-Orgie, und „Clear Pond Road“ (2023), lichte Storytelling-Perlen, datieren in die umkämpfte Phase, ebenso „Sun Racket“ (2020), ihr vorletztes Werk mit Throwing Muses. Die andere Hochsaison ist im März. Da erschien 2025 „Moonlight Concessions„, ebenfalls mit Throwing Muses.

Den historisch aufgeladenen Namen von immerhin einer ikonischen Alternative-Rock-Institution verwendet Kristin gelegentlich weiter, auch wenn weder Stil noch Besetzung mit der Band aus den Achtzigern viel gemeinsam hätten. Es geht ihr in erster Linie darum, Gitarrenmusik ohne Schnickschnack und mit Fokus auf dem Rhythmus von den filigraneren Solo-Alben abzugrenzen.

Dabei ist Kristin auch als ‚Throwing Muses‘ im Grunde solo, es gibt wechselnde Musiker. Wer auf den Platten spielt, ist nicht notwendigerweise mit auf Tour. inzwischen spielt ihr Sohn Dylan Bass, andererseits mischen er oder auch Langzeit-Kollege Bernard Georges bei den Alben mit, die unter Kristin Hersh firmieren.

Hier geht es mehr um den Ansatz, Geschichten mit autobiographischem Bezug zu entfalten, wie bei „Sugar On Blackstone“, wo ein Todesfall und Trauer im Mittelpunkt stehen.

Auch die Stimme hört sich anders an. In „Dark Eyed Junco“, verrenkt Hersh sie. Sie trällert in einer Mischung aus jung-naiv und bissbereitem Wachhund am Absatz des Postboten im Vorgarten.

Darunter entfaltet sich ein von Industrial inspiriertes Musikbett, und das ist der nur eventuell werbewirksame, aber originelle Einstieg in die Platte. Später in der Ballade „’72 Stingray“ wächst die Lebhaftigkeit, und Kristin Hersh jault in Lautmalerei.

Als Hersh ’solo‘ erlaubt sich die Singer/Songwriterin, rundherum süße Details auszugestalten, ganz gleich, ob sie nun aus dem schrofferen und kantigen Saiten- und Verstärker-Spektrum stammen und an Grunge erinnern, oder ob sie mehr die Aspekte von Melodie und Harmonie betonen.

In beiden Fällen, als Kristin und als Gruppe, fließen Streicher ein. Somit ist ein Cello (hier dominierend in den Songs „Snow White Lies“, „Sundial“ und „Dom In Orange“) beispielsweise kein Unterscheidungsmerkmal.

Die Arrangements insgesamt differieren hingegen sehr. Throwing Muses stehen mehr für Krach, Kristin Hersh mehr fürs Hinhören, für lyrische Feinheiten, manchmal für feinsten Chamber-Pop und im Track „Silver Beach“ sogar für reizvolle Effekte in der Links-Rechts-Kanal-Abmischung, Dynamik zwischen den Stücken wird sehr groß geschrieben.

Wiederholt hat die mittlerweile 60-Jährige in den letzten Jahren auch Bücher als Medium für ihre Schreiblust genutzt. Das Drucken ihrer Worte bietet eine adäquate Plattform, denn die Lyrik dieser musikalisch magischen Platte „Sugar On Blackstone“ würde eine gesonderte Rezension erfordern.

Wir belassen es bei den Prädikaten „möglicher Song des Jahres“ beim spannend aufgebauten Schlusslied „Samson“ und „Anwärter auf die beste Singer/Songwriter- und Alternative-Scheibe des Jahres“.

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