Zehn Songs, fünf Menschen, ein gemietetes Haus in Aarhus: Mit „Softy“ legen Lowly ihr viertes Album vor. Wer die Platte nur nebenbei laufen lässt, hört vermutlich hübsche Hintergrundmusik. Wer genau hinhört, entdeckt kleine Glanzmomente an jeder Ecke.
Nach „Keep Up the Good Work“ (2023) wollte das Quintett zurück zu den Anfängen: Musiker*innen in einem Raum, Instrumente, Talent und gegenseitige Wertschätzung.
Das Album wurde von der Band selbst produziert, mit Spontaneität statt Perfektion als Ziel. Schlagzeuger Steffen Lundtoft erklärt, „Softy“ sei ein klassisches Lowly-Album, weil fünf sehr unterschiedliche Individuen es gemeinsam gestalteten. Das erklärt auch, warum die Platte stellenweise etwas unzusammenhängend wirkt: Hier hatte jede*r ein Mitspracherecht.
Der Einstieg gelingt dafür fast unverschämt schön. „Brave“, „Liminal Space“ und „Stretch Under Strain“ sind wunderbare Pianoballaden, über denen Nanna Schannongs dünne, elegante Stimme schwebt, sodass man jedes Detail ihres Gesangs hört.
Es geht um die Angst, die eigene Familie nicht beschützen zu können, um Überforderung und den Moment, in dem man unter Druck einfach zusammenklappen möchte. Das ist ehrliches, reifes und emotional abstraktes Songwriting – Stimmfarbe und Offenheit erinnern dabei zeitweise an Aurora.
„Liminal Space“ schlägt etwas experimentellere Töne an, bleibt aber leicht, verträumt und herrlich zurückgelehnt. Der Song handelt davon, ein Kind zu beschützen, körperlich wie emotional, und die Machtlosigkeit, die man dabei fühlt.
„Curious“, eine Hymne auf kindliche Neugier und die Furcht, sie könnte verloren gehen, steigert sich am Ende zu krachenden Drums, zitternden Synthies und einem mächtigen, kreisenden Chorgesang.
In der zweiten Album-Hälfte wird es mutiger und lebhafter. Bei „At All“ fragt man sich kurz, ob noch dasselbe Album läuft: ein hastiger Beat, ein Hauch Art-Pop, dazu ein Refrain, der leider holprig und etwas unbeholfen ausfällt. Nah dran an richtig cool, aber eben nicht ganz.
Das Finale „Xclouds“ kehrt dann zu vertrautem Dream-Pop zurück, ein bisschen vorhersehbar, aber angenehm warm.
Unterm Strich ist „Softy“ ein Album über Elternschaft, Liebe und Verlust, das zwischen Dream-Pop, Indie-Pop und Indie-Rock pendelt, mit jazzigen Anklängen im Gepäck und einem Mix, der Produktions-Nerds glücklich machen dürfte.
Die Band selbst spricht von einer „Ode an unseren emotionalen Kern“, den man wie einen Muskel trainiert. Passt: Dieses Album verlangt ein bisschen Training, belohnt aber jede Wiederholung.

