Hätten die Queens Of The Stone Age nicht den Status einer Band inne, die sich stilistisch so ziemlich alles erlauben kann, würde ihr neuntes Studioalbum „Perfecth“ sicherlich Fragezeichen aufwerfen. Doch gerade der Erfolg ihres hauptsächlich akustischen Live-Albums „Alive In The Catacombs“ und der Umstand, dass gerade Frontmann Josh Homme die vergangenen paar Jahre viele Anlässe zum Leiden hatte, brachten hier die Kreativität in Wallung.
In Interviews und Ankündigungen redeten QOTSA einerseits von musikalischem Neuland, dass sie sich erschließen wollen, und andererseits davon, dass die Lebensdauer der Band bereits ihren letzten Akt erreicht habe. Davon, dass einige Songs schon länger auf Halde liegen, das Album jedoch über mehrere Phasen, Städte und Studios hinweg auch nicht locker aus dem Ärmel geschüttelt wurde.
Nach Kraftakt klingt das Ganze jedoch zu keinem Zeitpunkt. Das Locker-flockige ist (zumindest klanglich) schließlich der beste Modus der Band. Er scheint auch auf „Perfecth“ zur Genüge durch, am typischsten noch bei der Single „Where The Goth Girls At?“. Die ausufernde Aneinanderreihung von Grooves, Riffs und Krach droht jederzeit auseinander zu brechen, würde Hommes prägnante Stimme nicht alles zusammenkitten.
„Mono“ geht mit sexy rumpelndem Schlagzeug nach vorne und entfaltet sich in klangkünstlerischen Ausbrüchen. Die titelgebende Mono-Mische bricht mit Streicherklängen zuerst in wohliges, dann unter Schmerzensschreien in unheilvolles Stereo aus.
Stoisch tänzelnde Disco-Energie durchfließt das Iggy-Pop-Cover „Sunday“, das passenderweise in einem Studio in New Orleans während der Vorbereitungen zum Mardi Gras eingespielt wurde.
Die gute Laune von „Easy Street“ möchte man fast gar nicht wahrhaben. Bei so viel Händeklatschen und Akustik-Gitarren wirkt sogar das vergleichsweise softe Vorgängeralbum „In Times New Roman…“ wie ein letzter Lobgesang auf die Stoner-Rock-Band Queens Of The Stone Age.
„Perfecth“ ist ein komisches Album. Erstens, weil die Songs furchtbar miteinander clashen müssten, zweitens weil es sich im Gesamtwerk der Band eigentlich querstellen müsste, und drittens, weil sie es eben nicht tun und es eben doch passt.
Diese Band hat nicht nur am Abgrund getaumelt, sondern auch hinab geschaut. Nach der kollektiven Nahtod-Erfahrung stehen Queens Of The Stone Age nun als veränderte Männer da, die einfach weitermachen, weil sie nicht anders können.
Das klingt zwar anders als bisher, aber das ist auch gut so.

