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Heather Nova – The Orchard

Künstlerfoto: Heather Nova

„A little older you don’t know, if you’re wiser“, so stellt die Singer/Songwriterin Heather Nova die landläufige Vorstellung infrage, dass das Altern für mehr Weisheit sorge. Ihr selbst komme das nicht so vor, wie sie uns anlässlich ihres neuen Albums „The Orchard“ im Interview sagt.

Das Zitat stammt aus dem sehr gelungenen Stück „The Frequency’s Higher“. Der Song lässt sich so zusammenfassen: Wenn man sich damit zufrieden gibt, dass man aus Enttäuschungen weiser und klüger wird, sei das eine sehr rationale Betrachtung, überdecke aber, wie es einem damit innerlich geht. Denn oft verdecken Mechanismen des Selbstschutzes den emotionalen Zugang zu sich selber und zu den eigenen Ressourcen.

„The Orchard“ gestaltet sich insgesamt als eine recht psychologische Platte. Allgemein, findet Nova, hätten wir eine Tendenz, uns im Laufe des Lebens mehr von schädigenden, negativen Einflüssen ablenken zu lassen und die tollen Dinge aus den Augen zu verlieren, die einmal Quellen unserer Lebenslust und Neugierde waren.

Musikalisch wechselt das Album zwischen Folk-Rock und melodie-seligem Chamber-Pop mit Cello. Die Tracks bewegen sich zwischen sehr ruhig und phasenweise belebt.

„A Little Breath“ sorgt in der Mitte als retardierendes Momentum mit Unplugged-/Akustik-Ausstattung fürs Innehalten und fokussiert auf eines der wiederkehrenden Motive der Scheibe: Auf das Ende von Partnerschaften und darauf, wie es sich anfühlt, wenn ein Ex-Partner eine Neue hat, obwohl die gemeinsame Geschichte immer Gefühle auslösen wird.

Auch wenn Heather Nova immer wieder mal Liebe, Herzschmerz, Beziehung und Trennung zum Aufhänger nimmt, ist „The Orchard“ doch alles andere als voller Liebeslieder, sondern eine thematische Scheibe der Selbstreflexion rund um den Verlust der kindlichen Unschuld.

„New Life“ und der Titelsong handeln ebenso wie „The Frequency’s Higher“ explizit vom Erinnern, Blättern in der Vergangenheit. Die Beispiele in den Songs sind autobiographisch, eine nahbare Form des Storyteller-Albums.

Dabei, sollte man hinzufügen, hat sich Heather Nova ein jugendliches Aussehen bewahrt, und sie bezog sich auch auf dem Vorgänger „Breath And Air“ darauf, wie sie selbst als Kind auf einem Hausboot aufwuchs und wie sich das anfühlte, den unendlich weiten Horizont des Meeres vor sich zu haben. Der Song „The Whole Horizon“ greift das jetzt hier wieder auf und ist einer von vielen hochkarätigen.

Die 59-Jährige wirkt mit ihrer jugendlich frischen, modulationsreichen Stimme keineswegs festgefahren, und der Platte hört man an, dass sie ergebnisoffen mit einem weißen Blatt Papier und ohne Angst vor Einfallslosigkeit entstand – sie nicht aus Druck, sondern echter Inspiration verfasst ist. Kurzum: Das Werk einer Junggebliebenen.

„Bei meinen Texten habe ich den Eindruck, dass das Publikum in meiner Stimme und Ausdrucksweise den lyrischen Inhalt aufmerksam hört und darauf Wert legt“, analysiert die Künstlerin selbst und fügt hinzu: „Das ist auch meine Absicht. Melodie und Text oder Teile davon fallen mir meistens gleichzeitig ein.“

Man hat am meisten von „The Orchard“, sobald man auf die Songtexte achtet, denn die musikalische Eingängigkeit steht im Gleichgewicht zu inhaltlichem Tiefgang.

Als besonderes Juwel sei „On The Train“ empfohlen, bei dem beides besonders brillant zusammen wächst: Hier skizziert die Poetin erst einmal die Kleidung eines geliebten Menschen, den sie vermisst, und nimmt uns mit in eine Bahnhofs-Szene, die ihr im Gedächtnis haftet. Von diesem Rahmen aus arbeitet sich der Text zu den Gefühlen der Ich-Erzählerin vor und tastet den Puls bei starker Sehnsucht und unstillbarem Verlangen, Heather steigert sich in ihrer stimmlichen Intensität.

Ihr Gesang zeigt sich durch die Bank als bravourös und schillernd auf diesem Album. Immer wieder gelingt es der modernen Bardin, zudem mit ihrer Wärme zu berühren, mit ihren filigranen Arrangements Interesse zu wecken und mit ihren Melodien zum Mitsummen anzuregen.

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