Durch die Deckenfenster der Sputnikhalle dringt noch schwach das Licht der Außenwelt, als Show Me The Body gestern Abend zu spielen beginnen. Die Hardcore-Punks ernten nur verhaltene Begeisterung – und das trotz voller Präsenz, E-Banjo und einem ansprechenden wie verwirrenden Stilmatsch.
Vielleicht zeigen sich hier die ersten Folgen des Sauerstoffmangels in der ausverkauften und dementsprechend gut gefüllten Halle. Am Ende bedankt sich Frontmann Julian Cashwan Pratt, merklich aus der Puste, fälschlicherweise bei den Deftones für die Tour-Einladung.
Vielleicht macht die Rest-Helligkeit aber auch die Illusionen der Intimität und der Abgeschiedenheit zunichte, so dass sich nur die wenigsten voll auf das Konzert konzentrieren können. Jetzt erlischt das letzte Licht von außen, und die zur Überbrückung laufende Ambient-Playlist klingt so, als könnte jederzeit unbemerkt der Intro-Song der nächsten Band daraus hervor quellen. Dementsprechend füllen sich die dichten Reihen noch ein bisschen mehr.
Von allen Anwesenden sehen die Mitglieder des Hauptacts Deafheaven am wenigsten aus, als wären sie auf einem Deafheaven-Konzert: Shoegazer- und Slacker-Styles sind hier Dresscode, neben sehr vielen Bandshirts, die man auf größeren Rock-Konzerten eher selten sichtet. Die fünf Musiker dagegen treten in schlichtem schwarz auf.
Dafür dominieren sie die Bühne mit vollem Körpereinsatz. Während im Publikum vor allem weggetretenes Kopfnicken angesagt ist, springen die Musiker durcheinander und über die Bühne, gestikulieren wild und reißen ihre Instrumente um sich. Schon nach der Hälfte des Sets läuft ihnen der Schweiß an allen Körperteilen herunter.
Die Show scheint nur so vorbei zu rasen. Dafür muss man nicht einmal aktiv die ekstatischen Tänze auf der Bühne verfolgen. Ein Song hetzt dem nächsten nach, und die pure Klanggewalt verlangt geradezu danach, einfach mal die Augen zu schließen. Vielleicht tragen das Stroboskop-Licht, die Überlänge der Stücke und die ineinander verlaufenden Übergänge auch dazu bei.
Ankündigungen, Publikumsinteraktionen – oder generell jede Art von Wort, das nicht geschrien wird – all das ist hier nicht besonders wichtig. So merkt Frontmann George Clarke nur kurz an, dass der Großteil der Setliste vom aktuellen Album „Lonely People With Power“ stammt, und tröstet seine Fans, bevor sie den letzten Song des Abends anstimmen: „Wir werden mit neuer Musik wiederkommen“.
„Winona“ geht danach nochmal direkt ins kollektive Blut und Mark. Am Ende recken sich Zuschauer*innen begierig nach Bass und Gitarren. Einige können noch in die Saiten greifen, bevor das Feedback verstummt.
Auf den Gesichtern spiegelt sich ein Ausdruck wie nach einem spirituellen Erlebnis. Da wird auch recht schnell akzeptiert, dass es keine Zugabe gibt.






