
Mitgründerin und Sängerin Hanin Elias, die früher auch die meisten Songs mitgeschrieben hat, ist also nicht wieder dabei. Stattdessen bekriegen sich Alec Empire und Hanin Elias seitdem öffentlich über die Medien mit Vorwürfen über angeblich unberechtigt aufgeführte Songs, die Bedeutung der Rollen in der früheren Band usw.
Liebe Hanin, lieber Alec, meint ihr wirklich, dass so etwas eure Fans oder sonst irgend jemanden interessiert? Es geht um Musik und Politik, mehr nicht!
Nun sind nahezu zeitgleich das neue Album von ATR „Is This Hyperreal?“ und von Hanin Elias „Get It Back“ erschienen.
Musikalisch ist „Is This Hyperreal?“ wieder sehr gut. Gewohnt treibende Elektronik-Beats, gefahrvolle Soundscapes und zum Teil groovende Kicks, die zum Headbanging animieren. Allerdings nervt das Geschrei von Nic Endo auf Dauer dann doch etwas.
Über die politische Bedeutung von ATR kann man sich jedoch streiten. ATR war sicherlich eine wichtige Protestband der 90er Jahre. Heutzutage, wo selbst Frührentner zu sogenannten Wutbürgern mutieren, wirken die Kampfparolen von Atari Teenage Riot allerdings etwas obsolet. Auch wenn ATR mit ihren Ansagen von der Selbstparodie noch weit entfernt sind, wirkt der gepflegte Cyberpunk doch mittlerweile irgendwie unmodern.
Auch dass Alec Empire eine erfolgreiche Solokarriere hatte, lässt den Sinn der Neuvereinigung von ATR zusätzlich fraglich, und aus meiner Sicht unnötig, erscheinen.