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Biffy Clyro – Futique

Wie aufregend ist eine Stadionrock-Band auf ihrem zehnten Album? Eigentlich gemein, diese Fangfrage bei Biffy Clyro zu nutzen – aber „Futique“ verbirgt keine Falten. Das ist bei Weitem nicht die ganze Zeit schlecht.

Nach dem experimentierfreudigen Doppelalbum „Celebration Of Endings“ und „The Myth Of The Happily Ever After“ wird das zehnte Album im Aufbau klassischer.

Und wie es sich für eine alternde Band gehört, gibt es auch ein klares Thema: der Blick in den Rückspiegel auf ein Leben, das als Musiker*in sicher noch schneller an einem vorbeizieht als ohnehin schon. Also geht es um Freundschaften, die kommen und gehen, um den zufriedenen Blick zurück, immer wieder um Abschied.

Selbst wenn sich die Platte häufiger in Plattitüden wie „Friends come and friendships go“ oder „With a little love we can conquer it all“ verliert – Biffy Clyro sind in der Headliner-Bubble der Rock-Bands immer noch eine der sympathischsten. Und musikalisch gibt es more of the same, nur in sehr guter Qualität.

Klar, dieses Album ist glasklar produziert, immer auf der Hetzjagd zum nächsten euphorisierenden Refrain, die großen Gesten beherrscht das schottische Trio längst. Das muss es ja auch: Auf den Bühnen, die diese Band mittlerweile spielt, braucht es den Bombast sicher.

„True Believer“ ist da noch eine spannende Idee, da hier zackige Rhythmen, die so auch die Foals spielen würden, in einen großen „Many Of Horror“-Gedächtnischor münden. Um diesen Song herum wird das Album klassisch rockig,

„A Little Love“ geht als Opener direkt in die epische Breite, „Hunting Season“ hätte eine KI genau so als Biffy-Clyro-typischen Song geschrieben, die Riffs sind aber ziemlich schick.

Spektakulärer werden ab der Hälfte der Tracklist nicht nur die Songtitel, sondern auch die Song-Ideen: „Woe Is Me, Wow Is You“ hat fast etwas Musical-esques, wie es Simon Neill in einen Dialog mit den Background-Chören stellt und sich in Streicher und Bläser stürzt.

„It’s Chemical!“ hat einen elektronischen Drive, den das Album sonst häufiger hängen lässt. Und „Dearest Amygdala“ bricht das klassische Soundbild mit Synthflächen und elektronischen Beats auf.

Selbst damit gewinnen Biffy Clyro 2025 sicher keinen Innovationspreis – aber für ein Album über Retrospektive wagt „Futique“ am Ende doch mehr Experiment als der zaghafte Start vermuten lassen würden. Wenn Stadionrock, dann so!

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