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Das ist immer so ein Hin und Her – Lilly Wood And The Prick im Interview

Auf der Suche nach der Tür ins Glück braucht es manchmal ein bisschen Hilfe von außen. Das französische Pop-Duo Lilly Wood & The Prick war schon ein halbes Jahrzehnt unterwegs, als ein Robin Schulz-Remix ihres Songs „Prayer in C“ im Jahr 2011 plötzlich steil ging. Seitdem stehen die hinter dem Bandnamen steckenden Nili Hadida (Gesang) und Benjamin Cotto (Gitarre) ganz oben auf der Liste, wenn es um zeitgenössische und erfolgreiche Popmusik aus Frankreich geht. Kurz vor der Veröffentlichung ihres neuen Studioalbums „Christina“ trafen wir Sängerin Nili zum Interview und sprachen über poppige Pfade, flexibles Arbeiten und Live-Überraschungen.

MusikBlog: Nili, wer genau ist „Christina“?

Nili Hadidi: Nun, als wir den Song schrieben, war „Christina“ erst mal nur eine Figur in unserer Fantasie. Irgendwann wurde die Fantasie aber immer präsenter und die Figur entwickelte eine eigene Persönlichkeit. „Christina“ verschmolz mit unseren Visionen und unserer Arbeit. Ben, unser Produzent Myd und ich, wir alle hatten allerdings unterschiedliche Versionen von „Christina“ im Kopf. Als wir dann den Clip zum Song drehten wurde alles irgendwie eins und wir hatten das Gefühl, dass „Christina“ auch wunderbar das große Ganze repräsentieren könnte. So kam letztlich der Albumtitel zustande.

MusikBlog: Wann habt ihr mit dem Produktionsprozess begonnen?

Nili Hadidi: Wir sind eigentlich permanent mit dem Schreiben von neuen Songs beschäftigt. Das hört nie auf. Ich kann mich erinnern, dass wir während der letzten Tour immer mal wieder mit unserem Produzenten Myd im Studio waren, um neue Ideen aufzunehmen und festzuhalten. Das ist so ein fortlaufender Kreislauf bei uns. Manchmal überschneiden sich Dinge auch. Es gibt einfach keine festgelegten Pausen.

MusikBlog: Euer letztes Album „Most Anything“ erschien, als die Pandemie so richtig Fahrt aufnahm. Welche Erinnerungen habt ihr an diese Zeit?

Nili Hadidi: Wir haben diese Zeit sehr unterschiedlich erlebt, weil wir sehr unterschiedliche Menschen sind. Ben hat die Zeit total genossen. Er konnte sein Leben leben, ganz ohne Druck und Verbindlichkeiten. Er konnte sich der Musik widmen und zu Hause ganz viel Zeit mit seiner Katze verbringen. Ich hingegen habe es gehasst. Ich habe sehr beklemmende Erinnerungen an diese Zeit. Ich kann mich noch an unsere ersten Konzerte nach der Veröffentlichung des Albums erinnern. Die Leute mussten alle auf Stühlen sitzen, durften nicht tanzen und mussten Masken tragen. Da ging irgendwie ganz viel verloren.

MusikBlog: Gut, dass diese Zeit wieder vorbei ist. Die nächste Tournee wird sicherlich ausgelassener und nicht vergleichbar sein. Mit im Gepäck habt ihr dann ein Album voller Popsongs, die zum Tanzen und zum Mitsingen einladen. „Christina“ ist unheimlich positiv.

Nili Hadidi: Ben und ich, wir hätten die Songs auch problemlos nur mit der Gitarre aufnehmen können. Dieser folkige Ansatz ist ja ein Teil von uns. Aber die Songs sind auch sehr eingängig und man kann ihnen wunderbar poppige Arrangements zur Seite stellen. Myd hat da ein sehr feines Gespür für.

MusikBlog: Welchen Anteil hat euer Produzent Myd an dem Album?

Nili Hadidi: Wir kennen uns lange und sind gut befreundet. Mit Myd macht das Arbeiten einfach großen Spaß. Er ist ein guter Zuhörer und ein total gechillter Typ.

MusikBlog: Ihr wart für die Aufnahmen auch zeitlich sehr flexibel, richtig?

Nili Hadidi: Ja, das stimmt. Sonst hat man ja meist ein festes Studio und vorgeschriebene Zeiten, nach denen man sich richten muss, meist ein paar Wochen. Wir haben es diesmal aber anders gemacht. Wir haben in mehreren Sessions gearbeitet. Mal waren wir in Paris im Studio, mal waren wir draußen auf dem Land. So konnten wir ganz entspannt und ohne Druck arbeiten und uns einfach von unseren musikalischen Ideen und Visionen leiten lassen.

MusikBlog: Nicht nur musikalisch, auch inhaltlich präsentiert sich das Album eher lebensbejahend. War das so geplant?

Nili Hadidi: Ich hatte mir fest vorgenommen, dass es diesmal nicht ausschließlich nur um Jungs und den Tod gehen soll. (lacht)

MusikBlog: Eure Videos sind sehr unterhaltsam. Wie wichtig ist euch der visuelle Part des Ganzen?

Nili Hadidi: Die Videos sind uns schon sehr wichtig. Wir haben diesmal mit der Regisseurin Lucie Bourdeu gedreht, die einen tollen Sinn für Humor hat. Sie steht total auf makabre Sachen, was irgendwie super zu uns passt.

MusikBlog: Videos, Konzerte, Studiozeit: Gibt es etwas, das dir innerhalb des großen Ganzen besonders wichtig ist?

Nili Hadidi: Ich liebe eigentlich alles – bis zu einem gewissen Punkt. Wenn wir lange im Studio sind, dann freue ich mich auf die Shows. Und wenn wir lange auf Tour sind, dann kann ich es nicht abwarten, endlich wieder ins Studio gehen. Das ist immer so ein Hin und Her.

MusikBlog: Nach der Veröffentlichung des Albums werdet ihr wieder auf Tour gehen. Wie groß ist die Vorfreude?

Nili Hadidi: Die ist riesig, denn wir haben diesmal etwas ganz Besonderes vor. Diese Tour wird ganz im Zeichen des neuen Albums stehen. Das bedeutet, dass wir auch die alten Titel so arrangieren werden, dass sie vom Sound her zu den neuen Songs passen. Das ist eine große Herausforderung und bedeutet viel Arbeit. Aber wir freuen uns total drauf. Das wird super spannend.

MusikBlog: Mal abgesehen vom Robin-Schulz-Remix-Erfolg im Jahr 2011, gab es für euch noch einen anderen Kickstart-Moment?

Nili Hadidi: Ich hatte ein besonderes Gefühl, als wir den Song „Down The Drain“ (vom 2010er Album „Invincible Friends“) fertig hatten. Das war so ein erster Wow-Moment für uns. Dieser Song hat viel verändert, denke ich. Wenn ich zurückblicke, dann war das der erste Song, bei dem ich das Gefühl hatte, dass ihn vielleicht nicht jeder hätte schreiben können.

MusikBlog: Vielen Dank für das Interview.

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