Auf der Suche nach zeitgenössischer Popmusik, die experimentierfreudig und offen daherkommt, muss der Blick gar nicht so sehr in die Ferne schweifen. Im benachbarten Frankreich tüfteln Lilly Wood & The Prick nun schon seit 20 Jahren an einer spannenden Soundmelange, die Fans von elektronisch befeuerten Indie-Klängen spätestens seit der Veröffentlichung des Robin-Schulz-Remixes „Prayer In C“ in regelmäßigen Abständen viel Freude bereitet.

Sängerin Nili Hadida und Gitarrist Benjamin Cotto bedienen sich auch auf ihrem neuen, mittlerweile fünften Studioalbum „Christina“ mit offenen Armen und neugierigen Blicken am opulenten Buffet des Pop.

Die Eröffnung „Dark Blue“ erstrahlt im dunklen Blau. Es blubbert seicht. Und von einem angenehmen Beat getragen schwebt das Duo in Richtung Tanzfläche.

Im anschließenden „Swear“ steht die Gitarre im Vordergrund – mal akustisch, mal im Solo-Modus. Was schon jetzt auffällt: Lilly Wood & The Prick haben ein Gespür für einprägsame Melodien. Im unbeschwerten Kosmos der Franzosen genießt der Refrain höchste Priorität.

Mit dem Titeltrack „Christina“ zünden die beiden Parisienne ein Feuerwerk unter der Discokugel. Die Basslinien sind federleicht. Alles wirkt ungezwungen und unbeschwert. Im Trockeneisnebel wippen die Füße im Takt mit.

Die glasklare Stimme von Nili thront über locker luftigen Beats und einer sich ausbreitenden Wohlfühlatmosphäre. Selbst, wenn es etwas melancholischer wird und Nilis Timbre zum Nachdenken anregt, drehen die bunten Lichter im Hintergrund frei („Blood Bath“).

Wahlweise vertrackt („All Night“) oder klar und geradeaus („Imagine“) zelebrieren Lilly Wood & The Prick tanzbare Popmusik, die sich ganz simpel und klar arrangiert präsentiert, aber dennoch so viel auslöst.

Mit „Christina“ setzen Lilly Wood & The Prick die Messlatte hoch an. Der einprägsame Gesang, die feinen Harmonien und eine nicht enden wollende positive Energie: Hier stimmt so ziemlich alles.

Das einzige Haar in der Suppe: die kurze Spielzeit. Von den 11 Songs überschreiten nur zwei die Drei-Minuten-Marke. Die meisten Songs des Albums hätten bestimmt noch die eine oder andere Loop-Phase mehr vertragen. Aber das ist wirklich „Nörgeln“ auf höchstem Niveau.

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