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Dann muss ich da allein wieder rauskommen – kiil im Interview

Alexa Rose lebt in Hamburg und war einst Teil der Indie-Rock-Combo The Soda Stream. Seit 2018 wandelt die Multi-Instrumentalistin, die klassisch am Klavier ausgebildet wurde, auf Solopfaden. Unter dem Projektnamen kiil veröffentlichte Alexa Rose im Jahr 2021 eine EP mit dem Titel „Daydrops“. Dieser Tage folgt nun ihr Debütalbum „Sunny, Eyes Closed„, ein Album, das geprägt von Stimmungen und emotionalen Atmosphären ganz und gar ohne Gesang auskommt. Kurz vor der Veröffentlichung ihres ersten Longplayers trafen wir Alexa Rose zum Interview und sprachen über persönliche Gefühlswelten, filmische Inspiration und die Vorzüge von Instrumentalmusik.

MusikBlog: Alexa, du warst mal bei The Soda Stream verantwortlich für die Flötensounds. Jetzt steht dein Solo-Debütalbum kurz vor der Veröffentlichung. Warum nennst du das Projekt kiil? Welche Geschichte steckt hinter dem Namen?

Alexa Rose: Einerseits fand ich den Namen einfach sehr prägnant und auf den Punkt. Dazukommt, dass ich lange Zeit in Kiel gewohnt habe. Dort habe ich auch die Jungs von The Soda Stream kennengelernt. So ist der Name kiil dann einfach entstanden.

MusikBlog: Mit The Soda Stream hast du zwei Alben veröffentlicht. Wie und warum kam es dann zum Solowechsel?

Alexa Rose: Durch die Geburt meiner Tochter war ich irgendwann zeitlich nicht mehr ganz so flexibel. Hinzukam, dass sich die Band musikalisch immer mehr in Richtung Rock orientierte, so dass die Flöte mehr und mehr in den Hintergrund rückte. In der Zeit haben sich dann die ersten Sologedanken gefestigt.

MusikBlog: Sind die aktuellen Gedanken und Gefühle vergleichbar mit denen, die du hattest, als die beiden Alben mit The Soda Stream kurz vor der Veröffentlichung standen?

Alexa Rose: Es gibt schon einige Unterschiede. Bei The Soda Stream war mein Input mit der Flöte und später dann mit dem Keyboard ja nicht ganz so groß und bedeutend. Jetzt kommt alles von mir. Das ist natürlich auch emotional nochmal eine besondere Geschichte. Auf der anderen Seite hat man jetzt niemanden mehr, mit dem man die Vorfreude teilen kann. Dieselbe Situation hat man als Solokünstlerin auch bei der Produktion. Da ist jetzt keiner mehr, mit dem man sich austauschen kann. Wenn ich beim Songwriting oder während der Produktion irgendwo hänge, dann muss ich da allein wieder rauskommen. Da fehlt der Austausch dann schon.

MusikBlog: Aber dir redet jetzt auch keiner mehr rein.

Alexa Rose: Das stimmt. Ich kann jetzt machen, was ich will. (lacht)

MusikBlog: Musikalisch bedeutet das: Statt der Flöte steht nun mehr das Klavier zusammen mit Synthesizern und elektronischen Beats im Fokus. Das Ganze funktioniert wunderbar ohne Gesang und standardmäßige Songaufbauten und Strukturen. Wie kann man sich die Entstehung eines kiil-Songs vorstellen?

Alexa Rose: Das läuft eher filmisch ab. Ich habe entweder ein Bild oder eine Geschichte vor Augen. Bei dem Song „Marianengraben“ ist es beispielsweise so, dass es um die Phase geht, in der man angstbesetzt und panisch vom tiefen Meeresboden aus in Richtung Wasseroberfläche treibt. Bis man oben angelangt ist, kämpft man mit vielen Emotionen. Auf dem Weg begegnet man angsteinflößenden Tieren. Alles ist dunkel. Irgendwann wird es aber immer heller. Und irgendwann gelangt man dann an die rettende Oberfläche, wo die Sonne scheint und es warm und sicher ist. Diese Geschichte wandle ich in Musik um. Das Schöne ist, dass diese Geschichte nur meine ist. Die Hörer*innen haben vielleicht ganz andere Gedanken, wenn sie den Song hören. Meine Musik ist frei interpretierbar. Das ist auch das Tolle an Instrumentalmusik.

MusikBlog: Mir gefällt ja „Cat Lover“ besonders. Diese verspielten Arrangements erinnern mich sehr an meine eigenen Katzen. Hast du einen Song, der dir besonders am Herzen liegt?

Alexa Rose: Das ändert sich irgendwie immer mal wieder. „Cat Lover“ mag ich auch sehr. Das ist ein Song, den ich relativ früh geschrieben habe. Eigentlich ist mir jeder Song wichtig. „Marianengraben“ steht vielleicht noch etwas mehr für sich, da er diese emotionale Reise beschreibt.

MusikBlog: Gibt es musikalische Inspirationsquellen?

Alexa Rose: Grundsätzlich versuche ich, einfach meine klassische Ausbildung mit einem poppigen Indie-Ansatz zu verbinden. Dabei lasse ich mich nicht nur von Geschichten, Erlebnissen und Erfahrungen inspirieren, sondern natürlich auch von Musik, die ich einfach gerne höre. Das ist dann eher Minimalmusik à la Grandbrothers, Kai Schumacher und Philip Glass.

MusikBlog: Welche Phase innerhalb des Produktionsprozesses ist dir am wichtigsten?

Alexa Rose: Ich glaube, dass mir der Anfang des Ganzen am meisten Spaß macht. Wenn da noch nichts ist und ich mit dem Schreiben und dem Komponieren beginne: Das ist für mich die schönste und wertvollste Zeit.

MusikBlog: Wie funktioniert kiil live?

Alexa Rose: Also bislang noch gar nicht. Im Hier und Jetzt ist kiil ein reines Studioprojekt. Ich will nicht ausschließen, dass sich das vielleicht irgendwann nochmal ändern könnte. Aber aktuell sehe ich das eher nicht. Der Gedanke, zu viel vom Band laufen zu lassen, gefällt mir auch nicht so. Um das irgendwie auf die Bühne zu bringen müsste man das Ganze nochmal komplett neu denken. Ich muss dazu sagen, dass ich in der Band früher auch immer ganz gerne in der zweiten Reihe stand. Wenn ich mir jetzt überlege, dass ich mit kiil so ganz alleine auf der Bühne stehen würde, dann wäre das auch nicht so mein Ding.

MusikBlog: Was liegt dir mehr: die Flöte oder das Klavier?

Alexa Rose: Eigentlich ist die Flöte mein Lieblingsinstrument. Das Problem ist: Die Flöte ist ein Soloinstrument, mit dem man irgendwann einfach an Grenzen stößt. Das Klavier hingegen ist wesentlich vielseitiger einsetzbar. Deswegen spielt das Klavier auf dem Album auch eine wesentlich größere Rolle.

MusikBlog: Erinnerst du dich noch an den Moment, als dich die Musik zum ersten Mal so richtig gepackt hat?

Alexa Rose: Meine Eltern haben mich schon mit drei Jahren in die musikalische Früherziehung gesteckt. Damit war eigentlich alles klar und geregelt. (lacht) Was anderes kam für mich auch irgendwie nie so richtig in Frage.

MusikBlog: Dein Debütalbum ist jetzt fertig. Eine Tour wird es nicht geben. Was siehst du, wenn du in die Zukunft blickst?

Alexa Rose: Gute Frage. (lacht) Ich weiß noch gar nicht so genau, wie weitergeht. Ich muss jetzt mal schauen, was nach der Veröffentlichung des Albums alles so passiert. Vielleicht starte ich auch nochmal ein anderes Projekt. Ich bin auch kürzlich einer TechnoBrass-Band beigetreten. Das ist aber noch ganz frisch. Ich bin sehr gespannt und bleibe einfach offen.

MusikBlog: Vielen Dank für das Interview.

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