Robert Forster gilt gemeinhin als Elder Statesman der australischen Indie-Musik-Szene, mit Mick Harvey wäre dieses Ehrenamt jedoch mindestens genau kompetent besetzt.
Als Bad-Seeds-Mitgründer hielt er Nick Cave organisatorisch den Rücken frei, hat nach seinem Ausstieg aus der Band als Serge-Gainsbourgh-Biograph dessen Werk umfassend aufgearbeitet und solo – zuletzt auf dem stilvollen „Five Ways To Say Goodbye“ – und mit seiner Expertise in vielen weiteren Projekten seine musikalischen Leidenschaften verwirklicht.
Mit Amanda Acevedo steht seit 2023 eine adäquate Duett-Partnerin an seiner Seite, nach „Phantasmagoria In Blue“ und der Jackson C. Frank Hommage „Golden Mirrors (The Uncovered Series Vol.1)“ setzen er und die mexikanische Künstlerin auf ihrer neuen Ausgabe „Psychedelia In White“ die Segel in Richtung Mystik, in deren Überlieferung oft das Gute siegt und ihr Werk in diesem Sinn Hoffnung im Strudel dieser Tage machen soll.
So dramatisch wie sein Cover präsentiert sich der neuer Zehnteiler auf seiner Reise zwischen Aufbruch und Einkehr nicht durchgängig. Die Arrangements bedienen sich beim großen Mick-Harvey-Einmaleins – Streicher, Akustikgitarre und eine Fülle weiterer Instrumente kreieren Klangräume, die von melancholischen Swinger/Songwriter-Tönen bis zur blutigen The-Ministry-Of-Wolves-Märchen-Choreografie alles abbilden.
Einsteiger „The Elephants“ schippert über einen rauen Sound-See, spiegelt „Dream Of Serpent“ aufgewühlte Erinnerungen an Visionen einer Nacht, für „Perfect Storm“ – eine Zusammenarbeit mit dem Kanadier Peter McNestry – taucht das Duo in psychedelische Tiefen ab, fiebert sich das Stück in eine Trance, die David Eugene Edwards seinen Wovenhand-Platten verordnete.
„Song For Aurora“ bereitet der Morgenröte ein elegant-opulentes Willkommen, während „The Greatest Delight“ durch Amanda Acevedos Gegenwelt wandelt; hat „Medusa`s Moan“ Düsterrock-Attitüde an Bord, wo dort die Hammond dunkel orgelt, holen sanfte Akkorde die „Bride Of The Sea“ ab, wird schwebend nach „Atlantis“ übergesetzt, wo der Titeltrack „Psychedelia In White“ melodisch die Reise durch Verlust, Furcht Liebe und Leben abschließt.
Der polnische Regisseur Krzysztof Kieślowski hat mit der „Trois-Couleurs“-Reihe Kinogeschichte geschrieben, Mick Harvey und Amanda Acevedo sind mit ihren Alben zwar thematisch von diesen Filmen entfernt, farblich fehlt jedoch nur noch Rot, um sich mit einer Trilogie von ähnlicher Strahlkraft zu verewigen.

