Der Name Gilla Band steht nun schon seit 15 Jahren für ungebremste Neugierde und permanente Entwicklung. Zwischen erdigem, mit progressiven Einschüben aufgepeppten Indie-Rock und atmosphärischem Post-Punk hin und her pendelnd, haben sich die Iren in der Vergangenheit eine ganz eigene Soundnische geschaffen, die sich mit jedem weiteren Album ausdehnt und erweitert. Auch ihrem neuen Studioalbum „Pugnello“ präsentiert sich die Band offen, mutig und bereit, ein neues Kapitel aufzuschlagen. Kurz vor der Veröffentlichung trafen wir uns mit Sänger Dara Kiely und Gitarrist Alan Duggan zum Interview und sprachen über stetige Entwicklung, inhaltliche Herausforderungen und Zusammenhalt.
MusikBlog: Dara und Alan, ihr seid irgendwie Meister darin, euch mit jedem neuen Album ein kleines bisschen neu zu erfinden. Auch auf „Pugnello“ gibt es wieder viel Neues zu entdecken. Woher kommt dieser stetige Drang nach Veränderung?
Dara Kiely: Wir wollen uns als Band einfach immer weiterentwickeln. Man kreiert etwas und baut dann darauf auf. Das war schon immer Teil unseres Mindsets als Band – uns nicht zu wiederholen und als Gemeinschaft zu wachsen. Wir wollen einfach kreativ sein und auch bleiben.
Alan Duggan: Seit unseren Anfangstagen ist es uns wichtig, dass unsere musikalische Entwicklung stets spannend und aufregend bleibt. Jeder soll neugierig und offen sein, wenn es um neue Songs gibt. Wir würden diese Basis gefährden, wenn wir uns als Band einfach nur wiederholen würden.
MusikBlog: Wie wichtig sind da Einflüsse von außen für diesen Prozess?
Alan Duggan: Wir hören alle viel Musik und wir sind da auch sehr breit aufgestellt, was die Genres betrifft. Wir fokussieren uns nicht nur auf uns und unser Bauchgefühl, das wäre auf Dauer auch ganz schön anstrengend, unser Songwriting zieht sich nämlich immer sehr lang. Wenn wir dazwischen keine Musik hören würden, wäre das schon ziemlich langweilig.
MusikBlog: Ist jedes Bandmitglied involviert, wenn es um den Songwritingprozess geht?
Alan Duggan: Die Grundidee kann von überall kommen. Aber danach sind es immer mindestens zwei Leute, die sich um die weitere Entwicklung einer Idee kümmern. Am Ende ist es uns wichtig, dass alle mit im Boot sitzen.
MusikBlog: Wenn dann am Ende alle mit an Bord sind, kommt ihr schnell auf einen Nenner?
Alan Duggan: Normalerweise schon. Die Basis eines Songs steht meistens relativ schnell. Der Track „Computer Sadness“ vom neuen Album beispielsweise kam super schnell zustande. Das ging ruckzuck. Andere Songs brauchen manchmal etwas länger, meist immer dann, wenn es um das Finalisieren geht. Dann kann es schon auch mal zu Diskussionen kommen, was aber ganz natürlich ist.
MusikBlog: Geht es dann auch schon mal hitzig zu?
Alan Duggan: Nein. Wir kennen uns alle schon so lange. Sicher, wir diskutieren. Manchmal argumentieren wir auch intensiver, jeder hat schließlich seine Ideen und Vorstellungen. Aber es wird nie laut oder hitzig. Ich weiß, dass es Bands gibt, die anders arbeiten. Da knallt es auch schon mal und man braucht das vielleicht auch, um das Beste rauszuholen. Aber für mich wäre das nichts.
MusikBlog: Ihr habt euch für dieses Album eine Drum Machine zugelegt, die laut Pressetext, euer Songwriting revolutioniert haben soll. Erzählt doch mal.
Dara Kiely: Mit jedem neuen Album wächst auch unser technisches Equipment. Und jedes Mal übernehmen ein oder zwei neue Geräte oder Instrumente einen wichtigen Teil innerhalb des Produktionsprozesses. Beim letzten Album waren es beispielsweise eine Lapsteel-Gitarre und eine Synth-Box, die mit einbezogen wurden. Und ja, diesmal hatten wir eine Perkons Drum Machine mit dabei. Alan beschäftigt sich schon seit Längerem mit Werkzeugen, die den Songwritingprozess vereinfachen und verbessern können. Und dieser Drum Computer hat einfach sehr besondere Sounds und Grooves, die wunderbar zu unseren Songideen gepasst haben.
MusikBlog: Erweitert ihr auch eure Studioaktivitäten mit jedem weiteren Album?
Alan Duggan: Nun, wir haben während der Corona-Zeit unseren Proberaum in Dublin zu einem kleinen Studio ausgebaut. Da haben wir die meisten Basics des Albums eingespielt. Danach sind wir für die Drums ins Hellfire-Studio gewechselt. Und zu guter Letzt haben wir die Vocals in einem Studio namens Sonic-Studios aufgenommen. Die beiden Studios befinden sich auch in Dublin. Die Gesangsspuren haben wir auch schon in der Vergangenheit dort aufgenommen. Uns geht es bei der Studiowahl vor allem darum, dass wir uns dort wohlfühlen. Das ist uns wichtiger als eine teure Einrichtung.
MusikBlog: Apropos wichtig: Dara, lass uns über die Texte sprechen. Welche Themen standen bei dir ganz oben auf der Liste?
Dara Kiely: Mir geht es eigentlich immer darum, die Zeit zwischen den Alben festzuhalten. Ich dokumentiere mein Leben und das, was ich während dieser Zeit erfahren und erlebt habe. Mein Vater ist beispielsweise gestorben. Und dann wurde bei mir eine Form der Schizophrenie diagnostiziert. Das sind natürlich Themen, die auf gewissen Ebenen mit einfließen – und sei es nur, wenn es um bestimmte Stimmungen geht.
MusikBlog: Das sind schon sehr tiefgreifende Ereignisse. Ist es dir schwergefallen, dich diesbezüglich zu öffnen?
Dara Kiely: Nein, überhaupt nicht. Jeder geht ja anders mit so einer Diagnose und mit dem Thema Trauer um. Ich musste mich nicht orientieren, sondern habe einfach nur meinen Gedanken und meinen Gefühlen vertraut. Das fiel mir ziemlich leicht.
MusikBlog: Gab es schon einmal Phasen, in denen dir das Songwriting schwerfiel?
Dara Kiely: Für das zweite Album „The Talkies“ habe ich sämtliche Pronomen weggelassen. Das war eine ziemliche Herausforderung. (lacht)
MusikBlog: Ihr seid jetzt seit 15 Jahren als Band unterwegs. Seid ihr zufrieden und glücklich über das bisher Erreichte?
Dara Kiely: Wir messen uns nicht an irgendwelchen Erfolgen. Das haben wir noch nie getan. Uns war von Anfang an wichtig, dass wir uns als Gemeinschaft und Band weiterentwickeln. Das stand immer im Vordergrund. Und so ist es auch heute noch. Uns geht es darum, dass wir mit unserer Musik, die wir machen, fein sind. Das ist das Allerwichtigste.
MusikBlog: Viele Bands halten nicht einmal halb so lange durch wie ihr. Was ist bezüglich des Zusammenhalts euer Erfolgsgeheimnis?
Dara Kiely: In einer Band muss man einfach füreinander da sein. Und das funktioniert bei uns einfach super. Wir kennen uns und wir vertrauen uns. Jeder weiß, wie der andere tickt. Wir sind alle verschiedene Persönlichkeiten. Aber wenn jeder auf jeden achtet, dann findet man auch immer wieder zueinander.
MusikBlog: Vielen Dank für das Interview.

