Auf ihrem neuen Album „Pugnello“ treiben Gilla Band ihre Experimentierfreudigkeit auf die Spitze. Auf der Suche nach einem halbwegs klassischen Songmuster muss man schon viel Geduld mitbringen.
Nach einer knappen halben Stunde ist es dann so weit: Eine groovende Bassdrum und der markante Sprechgesang von Sänger Dara Kiley lassen die Füße mitwippen („Giraffe“). Die entspannte Stimmung hält aber nicht lange. Irgendwann öffnet sich die Hi-Hat. Ein kratziger Basslauf gesellt sich dazu. Und dann mündet alles in einem verzerrten House-Loop.
Die fünf Dubliner machen es den Hörer*innen auf ihrem vierten Album bewusst nicht leicht. „Pugnello“ bietet nur Platz für einen kleinen Moment der Klarheit. Ansonsten geht es wild, laut und ekstatisch zu.
Während Frontmann Dara Kiely verzweifelt sein Innerstes nach außen kehrt und dabei versucht, die Trauer über den Tod seines Vaters und die zwischendurch überreichte Schizophrenie-Schockdiagnose zu verarbeiten, suhlt sich der Rest der Band in einer energiegeladenen Melange aus radikalem Noise-Rock und zuckendem Techno-Elektro.
Intensiv und wuchtig zelebrieren die Iren das musikgewordene Chaos. Wenn Songs wie der hypnotische Opener „The Angelus“ und der pochende Dancefloor-Bulldozer „Placeholder“ erklingen, hält man sich entweder die Ohren zu, oder man verfällt in willenlose Trance. Eine Grauzone gibt es nicht. Die neue Soundprägung öffnet alle Schleusen und gestattet keine Ruhephasen.
Die neu erworbene Drum-Machine skizziert herrlich schroffe und kratzige Beats-Landschaften („Jacobsons“, „The Megazord“). In einem klaustrophobischen Sound-Labyrinth fallen Gilla Band mit der Tür ins Haus und lassen sich auch nicht mehr vertreiben. Abermals erfinden sich die Insulaner mit einem Longplayer neu – und das nicht gestellt, sondern in hohem Maße authentisch.
Für Freude eingängiger Hooks und radiotauglicher Refrains ist das natürlich nichts. Aber den Mainstream und ihr Gefolge hatten Gilla Band eh noch nie auf dem Radar. Man sollte aber betonen und der Vollständigkeit halber erwähnen:
Mit „Pugnello“ stellt die Band auch die hartgesottenste Fraktion unter den Noise-Rock-Liebhabern vor eine ziemliche Herausforderung.
