Manche Sachen bleiben konstant, egal wie sehr man dagegen anstrebt. Bei Fontaines D.C. ist es wohl die stetige Erneuerung ihres Sounds bei gleichbleibender Qualität.
Die Durchschlagskraft, mit der „Romance“ 2024 in alle Album-Rankings und Jahresabschlusslisten eingeschlagen ist, hätte das Potential gehabt, diese Konstanz zu sprengen. Die Versuchung, sich auf ein bewährtes Erfolgsrezept zu verlassen, hätte wohl viele andere Bands in die Knie gezwungen.
Business as usual für die Fontaines, die sich stattdessen auf ihre Wandelbarkeit berufen, noch mehr Synthesizer ins Studio stellen und den Großteil ihrer emotionalen Wärme kurzfristig auf Eis legen.
Viel Aufwand für ein Album, das trotz allem die gleichen Stärken und Schwächen des Vorgängers teilt: Genauso wie „Romance“ ist „Dopamine Chamber“ ein Album mit starkem vibe, das sich jedoch hauptsächlich über wenige Schlüssel-Songs definiert.
Die Vorabsingle „Marianne“ erweckt zwischen samtig weichen Hallflächen und Depeche-Mode-Künstlichkeit unruhige Erinnerungen wie halb vergessene Träume.
Die andere Single „Tongue“ hat unter den 11 neuen Songs am meisten Vorwärtsdruck, verzerrte Stimmfetzen und eine unrunde Piano-Melodie lenken diesen drive aber immer wieder ab und auf Umwege. Er dreht sich im Kreis.
In „Where Is Gone?“ pendelt Frontmann Grian Chatten mit der spanischen Feature-Sängerin Rosalía zwischen cinematischem Schmelz und eingängiger Ballade hin und her.
Und näher an die Unbeschwertheit eines „Favourite“ kommt man auf „Dopamine Chamber“ nicht als mit dem Refrain von „You Miss Me“. Dazwischen herrscht erneut die Ungastlichkeit.
„Das Album selbst ist eine Dopamin-Kammer“, erklärt Chatten die Bedeutung des Titels. „Man tritt hinein, und wir testen verschiedene bewusstseins- und stimmungsverändernde Musikstücke an einem.“ Ein eindrucksvoller wie leicht wahnsinniger Vergleich, der umso passender wirkt, weil nicht jedes ihrer Experimente volle Wirkung zeigt.
Die Grundfärbung ist kühler, steriler, steifer; die Band scheint hoffnungsloser und gemeiner geworden zu sein. Aber innerhalb dieser Palette besteht noch Möglichkeit für Varianz. Und die weniger überzeugenden Songs fallen zwischen einer handvoll Kracher umso mehr heraus. Spannend bleibt das trotzdem.

