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Fontaines D.C. haben heute ihre neue Single „Marianne“ veröffentlicht. Der Song stammt von ihrem neuen Album „Dopamine Chamber“, das am 16. Oktober via  XL Recordings erscheint.

Fontaines D.C. haben sich für ihr kommendes fünftes Album offenbar vorgenommen, der Hoffnung eine Absage zu erteilen. Statt nach vorne zu blicken, fragt die Band, wohin man eigentlich flüchtet, wenn die Welt aus den Fugen gerät – in Krisen, Nachrichtenfluten und dem ständigen Rauschen der Algorithmen.

Und die Antwort, die „Dopamine Chamber“ gibt, ist unbequem: Man flüchtet in sich selbst, in kurzfristige Glücksgefühle, in Ablenkung. Genau danach ist das Album auch benannt, denn wie eine Dopaminkammer soll es funktionieren: Man betritt sie, und die Band testet verschiedene stimmungs- und bewusstseinsverändernde Songs an einem aus.

Statt krachender Gitarren gibt es diesmal kalte Synthesizer-Flächen, stampfende Drums und Samples – teils sogar völlig ohne Saiteninstrument, dafür mit den schwelgerischen Streichern des italienischen Sechziger-Pop, durch einen digitalen Trichter gejagt. Produziert wurde das Album von James Ford, aufgenommen in London, auf dem englischen Land und in Palermo.

Die erste Single „Marianne“ rollt sich wie ein Samtvorhang vor einem verfallenden Theater auf: mediterrane Dekadenz, schöner Schein und der Charme des Verfalls treffen auf Sirenengesang, der dazu einlädt, sich dem Untergang entweder zu entziehen oder mit offenen Armen entgegenzutaumeln.

Grian Chatten singt vom Verschwinden, vom Folgen, vom Dableiben – und klingt dabei, als hätte er selbst noch nicht entschieden, ob das jetzt Einladung oder Warnung sein soll.

Genau darin liegt der Witz: Fontaines D.C. verhandeln Glück und Lust als Fluchtreflexe einer Gegenwart, in der künstliche Intelligenz, Klimakrise und politische Gewalt im selben Feed auftauchen wie Katzenvideos und Promi-Klatsch.

Nach dem Platin-Erfolg des Vorgängeralbums „Romance“ von 2024, über das im MusikBlog-Review treffend geschrieben wurde, die Band würde „so ziemlich alles in einen Topf werfen, was sich dieser Tage aus den Bereichen Rock, Indie in den Charts festsetzt“, drehen Fontaines D.C. den Regler jetzt bewusst in Richtung Kälte.

Wo das Vorgängeralbum noch, wie Chatten sagt, zu großen Teilen menschlich war, ist der Nachfolger bewusst kühler kalkuliert – keine Hoffnung in Sicht, dafür ehrliche Hässlichkeit.

Als erste Kostprobe ist „Marianne“ da: ein Song, der genau diese Zerrissenheit zwischen Flucht und Konfrontation vorwegnimmt und einen ersten Eindruck davon gibt, wie sich die Kammer von innen anfühlt.

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