„I Am Not Lambert“ schallt es im Frühjahr 2026 aus Berlin-Neukölln in die Welt hinaus. Ganz so dramatisch, wie es der Titel des neuen Albums aus dem Hause Lambert vermuten lässt, ist es dann aber doch nicht. Lambert klingt immer noch nach Lambert. Neu ist aber, dass der maskierte Pianist nun auch mit musikalischen Gästen kollaboriert. Kurz vor der Veröffentlichung von „I Am Not Lambert“ trafen wir den Wahl-Berliner zum Interview und sprachen über lange Wartezeiten, natürliche Entwicklungsprozesse und die Wiedergeburt eines verschollenen Songs.
MusikBlog: Lambert, in wenigen Wochen erscheint dein neues Studioalbum mit dem vielsagenden Titel „I Am Not Lambert“. Wie groß ist die Vorfreude?
Lambert: Nun, die Musikindustrie macht es einem irgendwie immer schwerer, das Kribbeln aufrechtzuerhalten. Klar, ich freue mich auf die Veröffentlichung, keine Frage. Aber wenn man bedenkt, dass das Album schon seit letztem September mehr oder weniger fertig in der Schublade liegt, dann ist das schon ziemlich schwierig.
MusikBlog: Die Zeitspanne zwischen dem Mastern und der Veröffentlichung wird nicht kürzer.
Lambert: Genau. Und das macht natürlich auch etwas mit der Gefühlslage. Mit dem Streaming ist das alles ja noch diffuser geworden. Jetzt ist es ganz wichtig, wann welcher Vorab-Track gepitcht wird. Die Labels wollen einfach viel Zeit zwischen den Single-Veröffentlichungen. Das ist nicht immer ganz so einfach für einen Musiker, der seine Musik – wie in meinem Fall – schon seit Monaten fertig im Kasten hat.
MusikBlog: Was hast du seit letztem September gemacht?
Lambert: Ich habe ein komplett neues Album geschrieben. (lacht) Das existiert zwar aktuell nur auf Noten. Aber es ist fertig. Mit den Interviews komme ich jetzt erst wieder rein in das Gefühl, das ich schon vor knapp einem Jahr hatte. Es geht aber irgendwie, denn ich muss mich ja auch langsam mit den Fragen beschäftigen: Welche Songs vom neuen Album will ich später live spielen? Und wie will ich das genau umsetzen?
MusikBlog: Die neuen Songs sind ein gutes Stichwort. Das Coverartwork und auch der Albumtitel werfen viele Fragen auf. Welche Geschichte steckt hinter „I Am Not Lambert“?
Lambert: Ich muss gestehen, dass ich mittlerweile manchmal das Gefühl habe, dass mir der Charakter, den ich damals schuf, ab und zu auch im Weg steht, wenn es um den musikalischen Findungsprozess geht. Ich setzte live beispielsweise viel auf Improvisation. Da fühl ich dann irgendwie besser und befreiter, wenn ich die Maske abnehme. Dann geht natürlich erstmal ein Raunen durch den Saal. Aber es ist halt auch nur eine Inszenierung, das darf man ja nicht vergessen. Hinter der Maske steckt ja immer noch ein Musiker, der die Show auch gerne noch so beginnt – mit Maske. Aber das Gefühl dafür kann sich im Laufe eines Konzertes auch mal ändern.
MusikBlog: Auf dem neuen Album sind noch viele deiner Trademarks vorhanden. Du lässt aber auch viel Neues zu. Ich höre mehr Pop und vor allem auch mehr Jazz.
Lambert: Ich habe mich diesmal stark an den Nullerjahren orientiert. Das war die Zeit, die mich musikalisch stark geprägt hat und wo Jazz und Musik von Singer/Songwritern eine große Rolle in meinem Leben gespielt haben.
MusikBlog: Dann gibt es auch zum ersten Mal einige Gesangsparts zu hören.
Lambert: Dem liegt eigentlich eine ganz natürliche Entwicklung zugrunde. Ich habe ja mit Goodwin auf seinem letzten Album zusammen gearbeitet. Da geht es natürlich auch um viel Gesang. Dazu kommt, dass meine Musik schon immer sehr songstrukturiert aufgebaut und durchaus auch popkulturell geprägt ist. Ich habe ja vor einigen Jahren auch schon mal ein ganzes Album zusammen mit Dekker gemacht. Das ist also alles irgendwie auch schon immer ein Teil meiner musikalischen Identität gewesen.
MusikBlog: Du hast Goodwin und Dekker bereits angesprochen. Nach welchen Kriterien hast du deine Albumgäste ausgewählt?
Lambert: In erster Linie müssen mir natürlich die Stimmen gefallen. Der Gesang kann die Stimmung eines Songs in eine ganz andere Richtung lenken. Das war zum Beispiel beim Song „Hurts Like You“ der Fall, ein Track, den ich instrumental ein bisschen zu kitschig fand. Da hat dann die Stimme von Goodwin super gepasst, die war ein Gegengewicht zu der doch sehr poppigen Melodie.
MusikBlog: Hat dich eine Kollaboration rückblickend besonders beeindruckt?
Lambert: Ja, mit Kat Frankie hatte ich viel Freude im Studio. Wir haben uns zuerst über all die Alben unterhalten, die wir in den Nullerjahren so abgefeiert haben. Dann kann sie ja auch so singen wie Fiona Apple, was total beeindruckend ist. Wir haben uns musikalisch einfach super verstanden. Sie hat für ihren Song „So Unkind“ den Text ausgearbeitet. Und zusammen haben wir dann an der Musik gefeilt. Das war eine ganz tolle und sehr angenehme Zusammenarbeit.
MusikBlog: Es gibt einen Song auf dem Album, der aus einer ganz anderen Zeit stammt. Der hat auch eine ziemlich interessante Entstehungsgeschichte.
Lambert: Du meinst „The Sum“?
MusikBlog: Genau.
Lambert: Ja, den Song haben wir schon 2018 auf Tour gespielt. Leider haben wir ihn aber nie aufgenommen. Irgendwann habe ich Passagen des Songs wiedergefunden und ich konnte mich erinnern, dass der Song live immer super ankam. Wir hatten aber alle überhaupt keine Ahnung mehr, wie genau der Song aufgebaut war. Wir haben dann im Internet recherchiert und einen Live-Clip des Songs aus Utrecht gefunden. Mit Hilfe dieses Clips konnten wir unsere Erinnerungen auffrischen. Das war wirklich spannend und ist schon eine besondere Geschichte.
MusikBlog: Du kommst eigentlich aus Hamburg, lebst aber schon seit vielen Jahren in Berlin. Neukölln, der Bezirk, in dem du lebst, gilt als einer der lautesten und lebhaftesten Stadtteile. Inwiefern passt das zu deiner doch eher ruhigen Musik?
Lambert: Ach, ich denke, Musik kann man überall machen. Ich bin hier einfach irgendwann gelandet und fühle mich super wohl. Hier gibt es so viel zu entdecken: kleine Kinos, in denen Originalfilme laufen, Jazz-Clubs und kleine Comedy-Läden, die ich auch gerne mal besuche. Ich weiß nicht, ob mich das alles immer auch gleich musikalisch inspiriert, aber es sorgt zumindest für Zerstreuung. (lacht)
MusikBlog: Vielen Dank für das Interview.

