Wie klingt das Solo-Album des Sängers einer Band, die für reduzierte Arrangements mit einer ausbrechenden, cineastischen Klimax gefeiert werden? „Peekaboo“ ist die erste Solo-Platte des The-Slow-Show-Sängers Rob Goodwin und streicht das cineastische aus der Formel. Dafür gibt es noch mehr Tiefgang und Intimität.

Ganz alleine ist Goodwin für diesen nächsten Evolutionsschritt nicht verantwortlich gewesen – der maskierte Pianist und Komponist Lambert, der schon für Künstler wie Nils Frahm und Ólafur Arnalds tätig war, haut hier sanft in die Tasten.

Auf „Peekaboo“ spielen die Klavier-Arrangements jetzt aber nicht Verstecken, sondern stehen in erster Reihe neben Goodwins markantem Bariton.

In den kann man sich bei diesem intimen, zurückhaltenden Setting viele Meter tief sinken lassen, ohne den Boden mit den Füßen zu spüren. Das gibt durchaus ein Gefühl von Geborgenheit und Tiefsinn, egal ob Goodwin nun einen Einkaufszettel vorlesen oder die persönlichste Geschichte seines Lebens erzählen würde.

Natürlich geschieht Letzteres und Goodwin nutzt diese erste Solo-Platte für tiefgreifendes Storytelling über mehr oder minder autobiographische Erlebnisse.

Wenn Goodwin in „X“ „I thought it hurts you“ singt und seine Stimme dabei leicht bricht, geht das schnell ans Herz, so dass man schon mal auf „is anybody here?“ in „Miracle Cure“ mit „Ja“ antworten möchte.

Goodwin singt über die Krankheiten eines Familienmitglieds („How’s The Pain, Son“), über das Versenken der eigenen Gefühle in Alkohol („Whiskey“) und immer wieder über das Vermissen. Emotionaler geht es kaum.

Mit den sanften Streichereinsätzen oder den zarten Backing Vocals, die Kesha Ellis zum verletzlichen „Whiskey“ beisteuert, gibt es einzelne Episoden, die aus dem Album herausstechen – ansonsten bleibt es beim Duo aus Klavier und Stimme.

Zwischen dem Storytelling von Nick Drave und dem Timbre eines IAMJJ empfiehlt sich Goodwin mit diesem Album für alle, die für erstklassig produzierte Melancholie Platz finden.

Man muss sich Zeit lassen für diese Platte, keine Melodie ist eindringlich und der Moment des Ausbruchs, des emotionalen Showdowns wurde aus der Slow-Show-Formel gestrichen. Aber: lohnt sich.

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