Das dritte Album nach sich selbst zu benennen, ist typischerweise ein klassisches Signal: Nach den ersten Gehversuchen ist das jetzt der Bezugspunkt für die eigene Musik. „Christin Nichols“ passt aber nicht nur im musikalischen Anspruch zu dieser These, sondern steht auch inhaltlich für Selbstfindung & Empowerment. Der Synth-Pop vs. Indie-Rock Clash bebt dafür verlässlich weiter.
Mit einem Bein im Strobo-Licht und dem anderen in der Garage hatte sich Christin Nichols schon auf ihren ersten beiden Alben einen Namen gemacht. Gepaart mit einer ganz eigenwilligen Art von Lyrics, die sich immer auch an Spoken Word orientieren und dabei mal bildhaft, mal fast alltäglich klingen, wurde die in Berlin lebende Musikerin zum Szene-Liebling.
Auf „Christin Nichols“ rücken die Synthies etwas in den Hintergrund und der lupenreine Indie-Rock darf dafür seine Muskeln spielen lassen. Das ist schön kraftvoll und passend, denn: Dieses Album ist sich seiner Entstehung inmitten einer brennenden Welt bewusst, setzt aber gerade deswegen auf Selbstbehauptung.
Nichols setzt das „Spotlight“ auf sich, ist sich sicher: mit einem regulierten Nervensystem würde sie „den Laden übernehmen“ („Keine Kontrolle“), sie ist „Unsterblich“ und auch trotz diverser Kritikpunkte an sich selbst der eigene „Cheerleader„. So muss das!
Nicht immer schafft es Nichols zwischen perlenden Riffs und diesen empowernden Lyrics der Kitsch-Spur auszuweichen. Das muss nichts Schlimmes sein:
„Noch wach“ erinnert mit seinen „Hey hey hey“-Chören an die großen Zeiten von Juli (auf gute Art), „Ich weiß“ macht die schönsten Synthies des Albums und auch sonst schaffen viele Momente im Albumverlauf eine ganz eigene Atmosphäre.
Kleine Highlights warten vor allem in der Album-Mitte:
„Chelsea Boots“ entschwebt da luftig nach oben und ist die Verschnaufspause für düstere Tage, „Bittere Pillen“ mit Gwen Dolyn verneigt sich bis zum Boden vor 80s Pop und „Andere Frauen“ ist die Anti-Pick-Me-Girl-Hymne, die es gebraucht hat.
Christin Nichols ist bei sich selbst angekommen.
