Im Grunde haben Interpol und die Editors etwas gemeinsam. Beide Bands katapultierten sich Kraft ihrer ersten beiden Alben in eine Umlaufbahn, in der sie sich der Gravitationskraft, die sich aus Beurteilungen späterer Ausgaben generierte, lange entzogen.
Die New Yorker Interpol ließen nichts anbrennen, tankten Treibstoff aus der eigenen Asservatenkammer und mischten maximal Bio-Elektronik hinein, Team Editors aus Birmingham war da offensiver, bog spätestens mit „Violence“ auf ein Experimentierfeld ab, auf dem zuletzt mit „EBM“ (2022) synthetische Wucht mit Tendenz zum Größenwahn Marke Coldplay gezüchtet wurde.
Dato ist wieder eine neue Ära ihrer Bandgeschichte proklamiert, keine komplette Rolle rückwärts, aber viel mehr Handwerk, als auf dem Vorgänger „EBM“ zu hören war. Gemeinsam als Band eingespielt, klingt die Back-to-the-Roots-Idee organisch, ohne den Songs das elektronische Momentum vollends zu entziehen.
Tom Smith hatte sich zuletzt solo in diese Atmosphäre eingesungen, ließ seinen Bariton über „There Is Nothing In The Dark Which Isn`t There In The Light“ gleiten, als hätte er sich schon dort auf die stilistische Ausrichtung von „Surface, Echo & Sound“ einsingen wollen, dessen Cover auch dem zweiten Album „An End Has A Start“ gut gestanden hätte.
Der Titeltrack eröffnet im Slow-Folk-Modus eine Platte, die insgesamt flächig bleibt, „Rescue“ und „Seriously“ dabei – wie die Vorab-Singles „The Rush“ und „Call It In“ – soliden Indie-Pop-Rock spielen, der sich mit einigen energischen Griffen in die Saiten gefällig im Mittelfeld des Editors-Nachlasses einordnet.
Überzeugend die Dramaturgie von „Happpiness“ und „Much Love“, die einem erwartbaren Verlauf immer wieder entkommen, Letzteres mit angerauter Oberfläche zum stärksten Stück der Platte avanciert.
Im gedrosselten Tempo ist es Tom Smiths Stimme – deren Hang zum Pathos den Frontmann wohl bis zum Ende seiner Karriere begleiten wird – die aus „Shadow“ und noch mehr aus „Butterfly Wings“ das ganz große Emotions-Kino macht.
Mit „The Hills We Died Upon“ werfen die Editors am Ende noch einmal einen Rettungsanker in den Nebel der Zeit und sind auf „Surface, Echo & Sound“ mit alten Tugenden wieder mehr bei sich selbst. Der Fan-Seele wird das gut tun.

