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Editors – EBM

Man kann den Editors nicht vorwerfen, sich im Verlauf ihrer fast 20-jährigen Karriere musikalischer Entwicklung verschlossen zu haben, wenngleich sich manch diesbezügliche Idee nur ihnen selbst erschloss und Fans an die Toleranzgrenze brachte.

Obwohl  „EBM“ (= Editors Blanck Mass) vordergründig darauf hinweist, dass ihnen dato Blanck Mass (aka Benjamin John Power, bereits Produzent ihrer letzten Platte) als Vollmitglied zur Seite steht, bedeutet die Namensgebung auch, ein für das neue Werk angekündigtes Industrial- und Electronic-Body-Music-Konzept umzusetzen.

Dass die Birminghamer nicht dem puristischen Konstrukt aus blubbernden Sequenzern und harten Drumcomputern der Genre-Größen folgen werden, war den Vorab-Auskopplungen anzuhören, diesbezügliche Tendenzen sind jeweils nur dann Thema, wenn das ohnehin seit geraumer Zeit eingesetzte synthetische Equipment die BPM-Zahl erhöht.

Die PIAS-Ankündigung: „Wir werden Zeuge eines mitreißenden, unerbittlichen Vorstoßes von vollmundigem Elektro-Industrial-Rock.“ bleibt dann doch nur eine solche, denn Tom Smith und seine Mannen setzen ihr Album Nummer sieben vorzugsweise auf ein solides Fundament aus schmissigen Elektro-Melodien, die im Verbund mit breitwandigen Pop-Rock teils bis auf Stadionformat aufgeblasen werden.

Einsteiger „Heart Attack“ legt los, als wolle er den Gitarren in seinem Rücken davonlaufen, was der Track jedoch keine halbe Minute durchhält, bevor ihn das restliche Instrumentarium einholt, um ihn pianotupfer-garniert in einen gefälligen Indie-Kracher verwandeln.

Damit ist eine Marschzahl gesetzt, der auch „Picturesque“ folgt. Wo “Kiss” die Pathos-Karte spielt, schwingt „Vibe“ die Effekt-Hüfte, scheint die Wiege des „Strange Intimacy“-Einstiegs auf der Love-Parade verortet, nutzt das Album im Verlauf wahlweise Zutaten von Giorgio Moroders Münchner Discoschmiede über Achziger-Synthie-Pop bis Eurodance.

Je tiefer Smiths Stimme dazu dräut, desto bedeutungsschwerer das Kolorit der Stücke, erreicht auf diesem Weg „Silence“ eine atmosphärische Dichte, die zuletzt auf „In Dream“ und „Violence“ selten anzutreffen war.

Obwohl auch hier mit dem Fuß auf dem Gas, klingt das Sextett via „Karma Climb“ so authentisch, dass dieser Song an jene Zeit erinnert, als die Editors auf Raucherinseln auch außerhalb von Krankenhäusern (“Smokers Outside The Hospital”) zur großen Nummer wurden.

Am Ende von “EBM” heißt es für ihre Anhänger einmal mehr: Take it or leave it.

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