Besonders groß ist das Konzertzimmer über dem Noch Besser Leben im Leipziger Westen nicht, eher besonders klein und wenn sich dort Stammgast Dagobert mit voller Kapelle ansagt, schrumpft das Fassungsvermögen um mindestens zwei Personen.
Das Instrumentarium braucht es natürlich, denn wo 2024 an dieser Stelle noch eine Akustik-Tour angesagt war, muss für sein erstes Rock-Album, wie das neue Werk „Tier“ offiziell proklamiert wurde, entsprechend Manpower und zusätzliches Equipment aufgefahren werden.
Beim Support Massfit Oddy sitzt Dagobert schon einmal an den Drums und wirbelt dort mit seiner ganzen Erfahrung aus einer Schüler-Band. Dies zwar nicht so schnell wie es in der Schießbude seiner Metal-Helden Kreator nötig wäre, aber allemal als verlässlicher Taktgeber für den erweiterten Singer/Songwriter-Indie vom Support.
Auch der Rest der mitreisenden Musiker steht Jakob Zimmermann von Massfit Oddy – wie der im Anschluss ihnen am Bass – bei seinem Programm zur Seite, verleiht Phillip Bellinger, der Mann der später am Schlagzeug sitzen wird, mit warmen Saxophonklängen der Melancholie in den teils aufbrausenden Stücke zusätzlichen Tiefgang.
Nach fast nahtlosem Übergang im Raum ohne Bühne lässt es Dagobert mit dem Titeltrack der aktuellen Ausgabe erst einmal verhalten angehen, nimmt mit der nachdrücklichen Abwendung als Teil der Krone der Schöpfung die Besucher*innen im Zimmer in die Arme, um sie in den folgenden gut 70 Minuten nicht mehr loszulassen.
Sein seelenverwandter Gitarrist Max Gruber aka Dr. Angsal aka Drangsal – dessen „Harieschaim“ auch schon wieder zehn Jahre auf der Uhr hat und der als Chronist im Tour-Tagebuch dokumentiert, dass der Protagonist 3.000 Seiten „Krieg und Frieden“ auf dem Handy gelesen hat und das Team mit selbstgebackenen Riesenbroten versorgt – liefert mit Fridolin Gross an den Saiten den nötigen Druck, um den Nummern um das seltsame Wesen der Menschheit lauten Nachdruck zu verleihen.
Mit Fokus auf „Tier“ und dem poppigen Vorgänger „Rama Kalala“ war der Balladenteil – in dem Dagobert mit der Nummer „Liebe“ die Quintessenz seiner Arbeit zusammenfasst – genauso willkommen, wie mit „Nie Wieder Arbeiten“ von „Jäger“ oder „Der Tag Der Nie Verging“ von „Bonn Park“ Songs anderer Ausgaben.
„Wo geht’s nach Panama?“ – auf Festivals Hilferuf an die Awareness-Teams, ist dato das Rührstück „Panama“ einer der emotionalen Höhepunkte und die sich daraus ergebende – von den Instrumentalisten in einem furiosen Finale befeuerte – einzige Frage, wann dort paradiesseits für den Rest des Lebens angelandet werden kann.
Das Publikums tanzt, singt die Refrains oder verliert sich in der tiefgängigen Philosophie der Strophen und ohne ein paar Hits am Ende wäre Dagobert – dessen eigener Merch ihm selbst steht wie keinem anderen – am Mittwoch wohl auch nicht in die nur wenige Meter entfernte Garderobe entlassen worden.
Der Lärmschutzverordnung fällt einer davon zum Opfer, im vom Max Gruber interpretierten Zuschauervoting ist das „Morgens Um Halb Vier“, und so beenden ,„Alle Träume Müssen Sterben“ und – natürlich – „Ich Bin Zu Jung“ im Stimmschluß mit den Fans ein großes Konzert im kleinen Rahmen.
Dass der Schweizer im Showstress Dresden und Leipzig durcheinanderbrachte, bleibt Fußnote, hat er doch im Noch Besser Leben wortwörtlich auf Augenhöhe bewiesen, dass „Onkel Dagobert“ mit mehr Gold in der Stimme unterwegs ist, als die reichste Ente der Welt in seinem Geldspeicher bunkern könnte.

