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Drangsal – Harieschaim – Dancing in the Dark

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Neuzugang in der Musiklandschaft! Drangsal alias Max Gruber veröffentlicht „Harieschaim“. Seit 2013 in der „Next Big Thing“ Liga gelistet, geizte er wie zuletzt TÜSN mit Vorabinfos, hielt die Spannung hoch und generierte eine entsprechende Erwartungshaltung an sein Debut.

Drangsal hält, was man sich von ihm versprochen hat. Sein Longplayer setzt da, an wo die Single „Allan Align“ aufhörte: Bei formidablem Dark-Pop, filtriert aus Wave, Postpunk und Indie-Disco.

In seinem Sound  wohnt der Geist der Achziger, man vermutet Joy Division, New Order und The Cure als Referenzen seiner musikalischen Sozialisierung. Stimmt aber nicht, sein Zugang zu diesen Bands war nach eigenen Angaben gering bis gar nicht ausgeprägt. Die Mixtapes seines Vaters waren die Quelle seiner Inspiration, DAF, die B52`s, selbst Klaus Lage brannte sich in sein Klang-Gedächtnis ein.

Vielleicht führt die harte Schule des Heranwachsens in Harieschaim, so wie sein Heimatort Herxheim im 7. Jahrhundert hieß, bei jungen Menschen jenseits des Mainstream zu einer ähnlich perspektivlosen Weltsicht wie einst das graue Manchester der Thatcher-Ära. Max Gruber, inzwischen im Musik-Eldorado Berlin verortet, packt jedenfalls jede Menge Factory-Atmosphäre auf sein Album, macht daraus ein Zeitgeist-Format und lädt mit diesem Mix zum Tanz im Dunkeln ein.

Er selbst nennt seine Musik Brachialpop und Jammerpunk, nach beiden klingt die Platte allenfalls dezent, denn entstanden ist ein überaus hittiges, tanzbares Album. Das hat auch damit zu tun, dass Erfolgs-Produzent Markus Ganter, in dessen Vita schon Casper, Tocotronic und Sizarr gelistet sind, dem qualitativ hochwertigen Rohmaterial den letzten Schliff verpasste.

Die Songs sind kurz und direkt, Drangsal hält sich nicht lang mit der Vorrede auf und knallt  schnörkellos seine zehn Songs heraus, als hätte man ein Raubtier von der Kette der pfälzischen Provinz gelassen. Die Stücke tragen Titel wie „Der Ingrimm“, „Moritzzwinger“ oder „Will Ich Nur Dich“,  gesungen wird trotzdem fast nie auf Deutsch.

Muss er auch nicht, seine Geschichten vom Ripper-Dorf „Hinterkaifeck“ bis zum Fabelwesen „Wolpertinger“ sind auch so verständlich genug. Wer Max Gruber nicht folgen will, der hat schon. „Love Me Or Leave Me Alone“ singt er mit raumgreifender Geste und das trifft auf den Umgang mit „Harieschaim“ durchaus zu.

Musikalisch klingt Drangsal wie eine Supergroup, bestehend aus Johnny Marr an der Gitarre und Simon Gallup am Bass. Er wildert in der Neuen Deutschen Welle, bedient sich Industrial-Drums, baut Breakbeats ein, kombiniert schimmernde Keyboards mit Trompeten. Strophe und Refrain bilden hier das klassische Song-Grundgerüst, die Chöre unterstützen mandrahaft die Lyrics, das Album rauscht wie aus einem Guss in die Ohren, jeder Song für sich ein kleiner Hit.

Am Ende von „Harieschaim“ bleibt staunend festzustellen: Hier ist jemand drauf und dran, mit Rotzigkeit und Scheiss-drauf-Attitüde der deutschen Popmusik neues Leben einzuhauchen.

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