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The Prodigy (Credit Paul Dugdale)

The Prodigy – The Day Is My Enemy – All Through The Night

Seid ihr auch etwas erschrocken, als Adel Tawil „Firestarter“ auf den Soundtrack seines Lebens packte? Wäre die musikalische Erde eine Scheibe, dann wären die Break-Beat Pioniere von The Prodigy doch klar auf der anderen Seite ansässig, was andererseits ausdrückt, wie tief die Furche ist, welche die Briten seit ihrer Gründung 1990 durch den Acker der Musik-Geschichte zogen. Sie wurden gemocht für „Out Of Space“ und „Charly“, geliebt seit dem Album „Music For The Jilted Generation“, verehrt seit dem Erscheinen von „The Fat Of The Land“.

Völlig zu Recht, ordneten die der Acid-House und frühen Techno-Szene entwachsenen Liam Howlett, Maxim Reality, Keith Flint sowie der zur Jahrtausendwende ausgestiegene Leeroy Thornhill doch durch atemberaubende Geschwindigkeit, Einflüsse aus Drum&Bass, Jungle-Zutaten und Punk-Attitüde Hörgewohnheiten völlig neu. Daran änderte auch der eher durchschnittliche Longplayer „Always Outnumbered, Always Outgunned“ nichts, spätestens als die Sequenzer vor sechs Jahren wieder über „Invaders Must Die“ blubberten, hatten sie ihre Form wiedergefunden.

„The day is my enemy, the night is my friend“ textete einst Cole Porter in „All Through The Night“ und seine Zeilen nimmt das Album nicht nur im Titel wörtlich. Von den dunklen Stunden in den Städten erzählt die Platte, der in den Straßenschluchten heimisch gewordene Fuchs, der vom Cover blickt, verbreitet in der Nacht zwar weder Angst noch Schrecken, weiß aber als Abfall-Verwerter einiges über die Wandlung der Menschen in dieser Zeit zu berichten: Von der launigen Oberflächlichkeit, unter der Hass und Wut ihre Heimat haben, von Crystal gepushter Aggression auf der Rückseite der Neonlichter.

„Es ist die gemeinste Platte, die wir je aufgenommen haben“ verkündete das Trio, und mit dieser Botschaft im Gepäck legt der Titelsong los, schlängelt sich mit seinen schrägen Vocals durch die Hintertür wie einst „Smack My Bitch Up“, um im Verlauf krachend die Vordertür einzutreten. Dann gibt es kein Halten mehr, Breaks, Disharmonien, dreckige Noise-Attacken, Drum-Stakkato, Dub-Einsätze – alle Zutaten, für die The Prodigy geschätzt werden, entladen sich auf den neuen Tracks, ohne auch nur im Ansatz auf Massenkompatibilität Rücksicht zu nehmen.

Sound-Ingenieur Liam Howlett hat das aggressive Hör-Erlebnis dieser Platte so nicht geplant, geärgert hat ihn das Ergebnis aber gewiss nicht, denn „Anger Is An Energy“ sagt er – eine Erkenntnis, die Aggro-Altmeister Johnny Lydon mit P.I.L. schon 1986 in die Rillen der Single „Rise“ presste. So sind die Namen der Titel meist Programm, ob „Destroy“, „Beyond The Deathray“ oder „Rhythm Bomb“- tanzbar ist hier nichts mehr. Aber es gibt auch nicht ausschließlich voll auf die Glocke, beispielsweise kennt „Wild Frontier“ auch melodische Momente. Manchmal gerät der Sound jedoch wie in „Wall Of Death“ derartig hart, dass die Verursacher des Lärms auch Atari Teenage Riot heißen könnten.

Am Ende der Platte versteht man den Fuchs als Wappentier des Albums. Er bedient sich aus dem Müll der Zivilisation, um die Reste sinnvoll zu verwerten, ähnlich wie The Prodigy beim Erzeugen ihrer Musik. Die erste Single „Nasty“ versandete auf Platz 98 der UK-Charts und fuhr damit nach Nummer 107 für „Spitfire“ das zweitschlechteste Ergebnis ein. Nach aktuellem Stand der Dinge scheint der ausgekoppelte Titeltrack dieses negative Ergebnis noch zu toppen. Bleibt dem Album mehr Erfolg zu wünschen, denn dessen Wucht zu unterschätzen wäre ein Fehler.

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