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Alex Cameron – Oxy Music

„Oxy Music“ ist Alex Cameron’s persönlicher “War On Drugs”, der zu gleichen Teilen anklagend wie verherrlichend ausfällt. Das ist zynisch, ironisch, tragisch.

Die Amerikaner haben schon viele Kriege geführt, um ihrer Vormachtstellung Willen, um Rohstoffe, um den Kapitalismus gegen den Kommunismus zu verteidigen und neben weiteren auch den, gegen die Drogen.

Gerade letzteren haben sie immer verloren, so hartnäckig er auch geführt wurde. Und sie sind aktuell dabei, ihn erneut zu verlieren.

Die Corona-Pandemie hat die seit Jahren schwelenden Opioid-Krise in den USA derartig verschärft, dass eine Drogen-Überdosis bei Amerikanern unter 50 Jahren inzwischen als häufigste Todesursache gilt, zwei Drittel davon gehen auf Opioide und die Abhängigkeit von Schmerzmitteln zurück.

“I don’t wanna sound like an A-hole/ I don’t want you to think I’m ungrateful/ See the credit cards on the table?/ Never try to hide in a K-hole/ Sorry, little girl, but my plate’s full/ Tryna prove to you that I’m stable/ Promise when I fall I’ll be graceful/ There’s only room for one in a K-hole”

Wie autobiografisch diese Zeilen aus „K-Hole“ des australischen Songwriters tatsächlich sind, bleibt spekulativ. Fest steht, dass sie keine reine Fiktion darstellen. Cameron ließ sich von Nico Walkers Roman „Cherry“ und dessen Darstellung der Opioid-Krise in Amerika inspirieren, erzählt im Wesentlichen aber seinen eigenen Kampf von Sucht und Drogenmissbrauch.

Man könnte ihm bei der Art und Weise seines Vortrages ein Overacting unterstellen. Exaltiert, überbetont, ein bisschen androgyn, etwas David Bowie, während die Songs schludrig um den Drogencocktail plätschern: ‘I’m in the kitchen on a cruise / I’m cooking up a codeine ragu’.

Im Kontext des Drogenmissbrauchs konfrontiert Cameron den Hörer mit dem zweiten großen Thema der Platte: Die Leere eines online gelebten Lebens und die drakonischen Folgen, die daraus entstehen können.

„Who told my brother that his kids are gonna die from this vaccine?/ Who told my sister that she’s never gonna be no beauty queen?/ Who told my mother that she’s never gonna find no love, nobody?/ Who told my father that he doesn’t have to pay for counselling?”

Die unablässige Hinterfragung der Online-Anonymität auf „Sara Jo“ ist Ausrufezeichen von Camerons eigenwilligem Storytelling, bei dem die hässlichsten Bilder immer dann entstehen, wenn die Fassade der Musik am freundlichsten lächelt.

Das ist, und hier wiederholen wir uns, gewollt zynisch, teilweise musikalisch so leichtfertig, dass die Ironie Purzelbäume schlägt.

In Summe hat es aber genau deshalb eine unmissverständliche Tragik, die moll-geschwängerte Balladen diesen Themen nicht abringen könnten. Ein außergewöhnliches Album.

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