Ein irisches Trio, beherzte Griffe ins Folk-Repertoire und ein Sweet Spot zwischen Melancholie und großen Gesten: Kingfishr machen herzlich wenig neu, aber mit diesem Rezept schon vor dem Debütalbum große Wellen. „Halcyon“ ist jetzt eine (sehr) große Songsammlung für Fans von Mumford & Sons.

Eddie Keogh (Gesang und Gitarre) kommt mit seinem tiefen, vollmundigen Timbre sogar so unheimlich nah an Marcus Mumford heran, dass man sich fragt, ob das Publikum beim Support-Slot versehentlich dachte, dass die Hauptband schon auf der Bühne stünde.

Gemeinsam mit Eoghan „McGoo“ McGrath (Banjo) und Eoin „Fitz“ Fitzgibbon (Bass) nahm Keogh dieses erste Album in kompletter Eigenregie auf. Das zeugt schonmal von großen Ambitionen, denn Produktion und Songwriting können mit den großen Namen der hemdsärmeligen Folk-Bubble schon jetzt gut mithalten.

Der Storytelling-Ansatz von „Flowers-Fire“ erinnert an Dermot Kennedy, die Banjo-Melancholie von „21“ an Mumford & Sons, die Falsett-Einsätze von „Ways To Change“ schwanken zwischen Ed Sheeran und George Ezra.

Viel Namedropping für ein Debütalbum? Stimmt. Ein klares Alleinstellungsmerkmal kann man in diesem hochwertigen Sound noch nicht ausmachen. Dass Kingfishr damit dennoch schnell in die Riege dieses Genres – das zugegeben die letzten Jahre auch keine großen Innovationssprünge machte – aufgenommen werden, ist absolut folgerichtig.

Denn die großen Gesten sitzen bei dem jungen Trio schon jetzt. Die Oh-Oh-Chöre in Songs wie „Shadow“ gehören ins Stadion, die Lyrics sind mit interessanten Bildern wie „I put a bullet in the moon on the moon“ („Man On The Moon“) gespickt, die Songs sind so unbefangen, dass jeder Radiosender und jeder melancholische TV-Soundtrack sie gerne annimmt.

Wird das Repertoire mit mehr Sounds, mehr Abwechslung, mehr Reibungsfläche ausgestattet, könnten Kingfishr auch durchaus sehr gute Alben veröffentlichen.

Mit „Halcyon“ gibt es als Debüt aber erstmal Genre-Stangenware, dafür aber welche mit hohem Anspruch und echtem DIY-Ansatz. Dafür gibt’s Applaus, Fans und erste Platin-Auszeichnungen. Es sei ihnen gegönnt.

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