Ben Quad machen Musik für Menschen ab 40 und solche, die es vorhaben, in den nächsten 20 Jahren zu werden. Ben Quad machen Emo-Rock, der sich selbst und vor allem Genregrenzen nicht zu ernst nimmt.

So konnte die Band aus Oklahoma City bereits mit dem 2022er Debütalbum „I’m Scared That’s All There Is“ für Aufmerksamkeit sorgen. Mit „Wisher“ liegt nun das, auf Jon Marksons Pale Moon Ranch eingespielte, Zweitwerk vor. Ein Album, das die kleinen Erfolge des Lebens zu großen Momenten erklärt und selbst vollgespickt ist mit eben jenen großen Momenten.

Das Quartett, das sich 2018 über Craigslist formiert hat, nach einem Star Wars Charakter benannt ist und optisch alles andere als die typische Emo-Rock-Band darstellt, spielt mit Screamo und Hardcoreeinflüssen ebenso wie mit Poparrangements. Das macht „Wisher“ so zugänglich kurzweilig und zelebriert die Vielseitigkeit als Mittel zur Nachhaltigkeit.

So melodiös wie „What Fer“ sich zunächst gibt, zerbirst der Titel wenig später an einer Riffwall, die in „Painless“ übergeht. Ein uptempo Intro und die emotionalen Screamoausbrüche im Duett mit dem harmonisierenden Gesang lassen nicht selten an die frühen Taking Back Sunday denken.

Die mehrstimmigen Einlagen bleiben auch bei „You Wanted Us, You Got Us“ erhalten, das sich nach einem melodischen Einstand mit Riffgitarren und brachialem Screamparts im Drumstakkato zerfetzt.

Die Singleauskopplung „It’s Just A Title“, geizt zwar mit Screams, versteht sich aber auf einen launigen, packenden Punkchorus.

Das gleiche Rezept in Perfektion wendet „Very Big In Sheboygan“ an, packt dazu eine Tüte Beziehungspopcorn und Humor und bietet das dazu passende große Kino im Refrain.

Von den großen Gefühlen auf der Kinoleinwand des Lebens weiß auch „All Your Luck“ zu berichten, das sehr zurückhaltend und wenig zielgerichtet den großen Aha-Moment verstreichen lässt.

Gemeinsam mit Sam Canty von Treaty Oak Revival wird „Did You Decide To Skip Arts And Crafts“ zur Hymne. Sam Cantys Gitarrenkunst trägt die ruhigeren, reflektierenden Momente am Wunschbrunnen des Lebens. Sam Wegrzynski & Co. hingegen bieten Hardrock-Kost auf, um mit emotionsgeladenen Gesang zu  motivieren. Nach einer Niederlage nicht zurückzustecken, ist die Botschaft des Titels und die geht durch Mark und Bein.

Bleiben wir bei den Highlights, zu denen auch „Classic Case Of Guy On The Ground“ gehört. Die Stimme hell und eindringlich, nehmen Ben Quad kurz vorm Popchorus noch die E-Gitarren zur Hilfe, um mit Hooks die Abzweigung in Richtung Emo zu bekommen. Textstark und mit einem starken Text zelebrieren die Amerikaner eine Hymne ans Durchhaltevermögen und besingen wie schon bei „Did You Decide To Skip Arts And Crafts“ den inneren Schweinehund.

„West Of West“ hat die Unterstützung von Microwave Frontmann Nathan Hardy, der mit seinen shouts dem melodischen Titel eine emotionale Wucht verleiht. Die Saiteninstrumentierung spielt auf höchstem Niveau, gniedelnd und zelebrierend, und lässt brachial den Riff-Olymp erschüttern.

Als wollten Ben Quad eben jene Spielfreude nochmal besonders deutlich hervorheben, sorgt „I Hate Cursive And I Hate All Of You“ nicht nur für die Misanthropen-Hymne des Albums, auch Freunde von dynamisch entwickelten Tempiwechseln, einem melodischen Refrain und einem knackigen Emo-Core-Intermezzo bekommen hier hervorragende Kost geboten.

„Wisher“ bietet genreübergreifenden Emo, sympathisch und mit aus dem Leben gegriffenen Texten. Ein jeder der zehn Tracks ist für sich ein kleiner großer Moment auf dem überraschenden Highlight des Jahres 2025.

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