Black Country Communion – 2

Machen wir es kurz: Ich mag Bluesrock eigentlich nicht. Oder Blues im Allgemeinen. Musikhistorisch und geschichtlich ist der Werdegang dieser Musik-Sparte außerordentlich interessant, aber wirklich anfangen konnte ich noch nie etwas damit. Dementsprechend lässt mich eine Super-Group wie Black Country Communion vornehmlich kalt, bis vor kurzem wusste ich weder von ihnen noch von ihrem bereits veröffentlichten Debüt, aber was anderes lässt das programmatisch beititelte neue Werk “2“ nicht vermuten.

Dafür spricht die bisherige Historie der Musiker Bände: Ex-Dream Theater, Ex-Alice Cooper, Ex-Black Sabbath, Ex-Deep Purple, Led Zeppelin und ein erfolgreiches Solo-Schaffen des Gitarristen Joe Bonnamassa. Bei so viel Erfahrung kann nichts Schlechtes rauskommen und etwas Abwechslung tut den Ohren auch gut, also zur CD gegriffen und angehört. Nach dem ersten Durchgang war ich allerdings sehr schwer enttäuscht, nichts hängen geblieben, nicht meine Musik. Sie sollte gleich wieder ins Regal wandern und dort ein staubiges Leben in der Dunkelheit für Fehlkäufe fristen, aber eine weitere Chance hatte die Platte verdient. Und schon nach kurzer Zeit wurde mein Fuß plötzlich leicht hyperaktiv und bewegte sich immer zum Takt, mein Oberkörper tat ihm gleich. Nach dem zweiten Durchlauf wechselte ich von den Kopfhörern auf die Boxen, um es besser zu genießen. Der erhöhten Beweglichkeit geschuldet sprang ich auf und ergab mich dem Rhythmus, bis mein Nachbar mich störte, weil ich meine Kack-Mucke doch bitte um 2 Uhr morgens nicht so verdammt laut hören solle. Spießer.

Soweit zur persönlichen Historie, kommen wir endlich zur Musik! Hier darf man ein kleines Revival der 70er erwarten, denn der präsentierte Rock lebt von seinem Old-School-Charme und dem etwas sperrigen, aber nach Eingewöhnung gut ins Bein gehenden Groove. Dabei reicht die Bandbreite von klassischen Bluesrock-Stücken, über Hard Rock bis hin zu waschechten Blues-Einlagen, die von den Künstlern vorzüglich in Szene gesetzt werden. Sei es der markante Gesang des Bassisten Glenn Hughes, das unterstützende Tastenspiel von Derek Sherinian oder das Drumming von Jason Bonham, gelungen sind die Tracks allemal. Dabei bewegen sie sich häufig im stampfenden Midtempo und rocken sich die Seele aus dem Leib, als Beispiel sind der Opener “The Outsider“ und das darauffolgende “Man In The Middle“ zu zitieren. Aber auch in ruhigeren Momenten kann das Quartett glänzen, etwa im Classic Rock-Song “An Ordinary Son“ oder dem hin und her wiegendem “Little Secret“. Dass Black Country Communion aber auch flotter zocken können, zeigen das treibende “I Can See Your Spirit“ oder das folkig angehauchte “The Battle For Hadrian´s Wall“.

Meine persönlichen Highlights sind dabei die Gitarren-Soli vom Virtuosen Joe Bonnamassa. Dieser zeigt verflucht häufig, dass er mit den sechs Saiten wohl schon als kleinster Säugling gespielt haben muss. Pfeilschnelle Melodien sind kein Problem, ein wenig Gefühl bekommt er in den richtigen Passagen immer hin und das motiviert den einen oder anderen Zuhörer zum begeisterten Auspacken der Luftgitarre. Mir fährt jedenfalls immer wieder eine Gänsehaut über den Rücken, wenn der gute Joe zu einem Alleingang ansetzt und dem Lied den letzten Schliff verpasst. Lieblings-Track-Alarm! Das bereits erwähnte “I Can See Your Spirit“ wartet zum Ende hin mit einem Duell zwischen Gitarre und Keyboard auf, die sich mit ihren überragenden Soli gegenseitig übertrumpfen wollen. Unentschieden!

Um einem solchen Album gerecht zu werden, hat man sich mit Kevin Shirley zusammen gesetzt, der sich bereits für die Produktion von so manchem Aerosmith- und Journey-Werk auszeichnet. Dieser verleiht den Vieren einen schön erdigen Sound, wie es sich für die alte Schule auch gehört! Hochglanz sucht man hier vergebens, leicht dreckig aber stets druckvoll dröhnt es aus der Anlage und schon befindet man sich wieder in den guten alten 70ern.

Entweder hör ich zu wenig Kram in der Richtung oder mit “2“ hat Black Country Communion eine grandiose Scheibe auf CD gebannt, der den Spirit der Bands von vor vier Dekaden perfekt einfängt. Ich finde nach anfänglicher Enttäuschung kaum Schwachpunkte, die Langrille überzeugt auf ganzer Linie und sollte bei jedem (Blues-)Rocker der alten Zeit Anklang finden … aber auch bei den jungen Leuten wie mich, die sich auf eine Zeitreise einlassen können.

© Nico Carvalho

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