Klaxons – Live in der Kantine am Berghain, Berlin

Wenn die gepflegte Dienstag Abend Unterhaltung mit einem im Ohr zwickenden Sirenen-Geräusch eingeleitet wird, dann ist wohl oder übel Furore im Anmarsch. Genauer gesagt, ein englisches Trio namens Klaxons, das bei seinem exklusiven Gastspiel in Berlin so auf den Putz hauen sollte, dass dieser fast von der Decke gebröckelt wäre – hätte die Kantine am Berghain nicht ohnehin schon einen leicht morbiden Charme, dem vor allem durch den abgewetzten Putz über den Häuptern der Fans Ausdruckskraft verliehen wird.

Wo so viel Abgewetztheit das visuelle Bild bestimmt, konnten die Klaxons ihre optisch-gewagte Trumpfkarte ganz ohne Pokerface auf voller Linie ausspielen und liefen zu den Klängen des Show-Intros wahlweise in blitzend-silbernenen oder auch glänzend-goldenen Outfits auf die Bühne. Oha. Nur die Disco-Kugel schimmerte im Halbdunkel schöner und dürfte in Sachen Reflektion die Nase vorne gehabt haben, wenn auch nur um einen Hauch.

So herausgeputzt bis in die Haarspitzen schien es dann auch ein leichtes Spiel für die Band zu sein ihr goldenes, musikalisches Ticket einzulösen, das für diesen Abend vor dem Berliner Publikum ein wahrlich explosives Set beinhaltete. Würde man den Versuch unternehmen die Songs in zwei Lager zu spalten, hätte man auf der einen Seite ein halbes Dutzend neuer Songs ihres Anfang Juni erscheinenden Albums “Love Frequency” und auf der anderen Seite eine regelrechte Aneinanderreihung von Songs aus ihrem Single-Archiv der vergangenen Jahre.

Besonders die neuen Stücke mögen die Liebe ins Zentrum der Aufmerksamkeit rücken, doch den Schmusekurs sollten die Klaxons eine ganze Stunde lang vehement von ihrer angepeilten Zielgeraden verbannen. Inklusive zackig-impulsiven Bewegungen als hätten sie unter dem Glitzerfummel ein paar extra Duracell-Batterien, die für den nötigen Antrieb sorgen würden. So setzte das funkelnd-aufbrausende Gespann aus UK alle verfügbaren Energiereserven in Bewegung und legte den Schalter konstant auf die Königsdisziplin im Live-Entertainmet um: den Deluxe-Partymodus.

Kaum ein Song wurde ohne den gebührenden musikalischen Wumms in den Raum hinein geschleudert und konnte sich für länger als ein paar Augenblicke dem angestrebten Sound-Inferno entziehen, das klanglich jedoch trotz der geballten Energie nicht immer perfekt war. Die Fans störte das allerdings gerade bei alten Bekannten wie “Golden Skans”, “Magick” oder dem abschließenden “It’s Not Over Yet” herzlich wenig und es wurde ausgelassen getanzt und gesprungen bis die Klamotten nur so am Körper klebten. Es hatte fast schon ein wenig etwas von Gruppengymnastik so wie James Righton, Jamie Reynolds und Simon Taylor-Davis da auf der Bühne versuchten in neue Dimensionen des eigenen Körpergefühls vorzudringen und dabei ausgiebig die Zuschauer aufforderten sich ihnen anzuschließen.

Eines ist nach diesem Abend sicher – für die geballte Ladung Party tauglicher Songs sind Klaxons auch mit ihrem dritten Album “Love Frequency” nach wie vor eine gute Adresse, die alle tanzwütigen Fans auf Einladung der Band gerne aufsuchen. Ob New-Rave-Anhänger der erste Stunde, cool dreinblickende Großstadt-Hipster oder ein anwesender Alec Empire – Klaxons versammelten nach mehreren Jahren der Bühnen-Abstinenz alle miteinander auf engstem Raum und wirkten nach der kreativen Pause nicht mal ansatzweise eingerostet. Im Klaxons-Kosmos gibt es schließlich nur eine Devise für den andauernden Feier-Marathon: There is no other time! No other place! No other day!

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