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Ahzumjot (Credit Christoph Voy)

Ahzumjot – Nix Mehr Egal

Manchmal kann alles ganz schnell gehen in der Musikwelt. Während manche Künstler dutzende Releases rausbringen und dennoch nicht groß rauskommen, reicht anderen ein Album um die Aufmerksamkeit der großen Labels auf sich ziehen zu können. Und die sind bekanntlich ein verlässliches Helferlein bei der Musikkarriere. Ganz ohne Castingshows und im besten Fall sogar unter Beibehaltung der eigenen Prinzipien. All das passiert nicht allzu oft, aber genau so ein Glückskind ist Ahzumjot.

Sein Erstlingswerk „Monty“ zimmerte er noch in Eigenregie zusammen. Texte, Musik, Vertrieb – um all das kümmerte er sich selbst. Nun hat er einen Plattenvertrag bei Universal und kann sich auf das Wesentliche konzentrieren. Und dass dieses Wesentliche vor allem aus guter Musik besteht, lässt sich auf seinem neuen Album „Nix mehr egal“ bestaunen.

Dort zeigt sich Ahzumjot vielseitig. In „Vier Minuten“ verarbeitet er seine Familiengeschichte und vor allem das Verhältnis zu seinen Eltern. „Der coolste Motherfxcker“ hingegen imitiert mit einem Augenzwinkern all jene Jutebeutel- und Bartträger, die sich für den Allergrößten halten. Gleichzeitig taugt die Hook des Songs aufgrund ihrer eingängigen Melodie und dem simplen, aber nicht trivialen Text, zum Ohrwurm. Hier kann sich jeder wiederfinden. In der Satire steckt schließlich ein Fünkchen Wahrheit und wer würde nicht lieber Fashion Blogs anstatt Mathematik studieren?

Auch den Blick für das große Ganze behält Alan Julian Asare. In „Es ist gut wie es ist“ thematisiert er die eigene, verträumte Sicht auf die Welt. „Geschichte“ gibt die Biografie von potenziell Jedem wieder: Aufgewachsen an einem trostlosen Fleck Erde, auf der Suche nach mehr.

Mit dieser Mischung aus autobiografischen Texten und Generationsanalyse kann „Nix mehr egal“ lyrisch auf ganzer Linie überzeugen. Musikalisch hat sich Ahzumjot spürbar dem Pop geöffnet. Nicht nur, weil das Album fröhlicher als „Monty“ ausgefallen ist, sondern auch, weil in jedem Song das richtige Händchen für Melodien bewiesen wird. Teilweise ufert dies allerdings ins Pathetische aus.

Trotzdem liegt der Fokus auch auf der Raptechnik. Stimm- und Flowvariationen finden sich in jedem Track. Die Technik gerät nicht zum Selbstzweck und es werden keine endlosen Reimketten eingebaut. Dennoch ist sie wichtig genug, um in den Zeilen als Werkzeug zur Unterstreichung des Inhalts zu dienen. Mit diesem Mittelweg liegt Ahzumjot genau richtig. Die Themen stehen auf „Nix mehr egal“ zu jedem Zeitpunkt im Vordergrund, was angesichts vieler technikfixierter Deutschrap-Alben dieser Tage eine angenehme Abwechslung darstellt.

An einen modernen Klassiker wie „XOXO“ von Casper kann „Nix mehr egal“ nicht heranreichen, obwohl die verwendeten Mittel ähnlich sind: Eingängiger Rap gepaart mit pop-kompatiblen Elementen. Nichtsdestotrotz haben wir es hier mit einem überdurchschnittlichen Rap-Album zu tun, das sowohl textlich als auch musikalisch aus dem Kanon der hiesigen Veröffentlichungen heraussticht. Obwohl „Monty“ schon eine gute Platte war, konnte sich Ahzumjot hier noch mal den entscheidenden Schritt weiter entwickeln. Ob dies zum großen Erfolg führt, wird sich zeigen. Die deutschsprachige HipHop-Landschaft bereichert er mit seinem Stil allemal.

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