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Chorus Grant (Credit Esben Boeg Jensen)

Chorus Grant – Space

Dieses Skandinavien. Spuckt es doch in regelmäßigen Abständen den nächsten Künstler aus, der sich auch weit über die Landesgrenzen hinweg Aufmerksamkeit verschafft und den hohen Norden damit wieder einmal als perfekten musikalischen Nährboden erscheinen lässt. So geschehen bei Kristian Finne Kristensen oder auch Chorus Grant, der in unserem heimeligen Nachbarland Dänemark die Gitarre zückte und uns nun mit seinem Album „Space“ die Früchte seiner Songwriter-Arbeit sanft an die Ohren legt.

In den letzten Jahren schwappte eine Welle von skandinavischen Bands über uns herein, die eher zur härteren Gangart zählten und den musikalisch-wilden Ruf dieser europäischen Region untermauerten. Chorus Grant zählt nicht dazu und ist eher am anderen Ende der stilistischen Palette zu finden, bewegen sich seine Songs doch vorrangig im gesitteten Singer-Songwriter-Genre, das im Vergleich zum lauten Gitarrengetöse oder der glatten Pop-Ausrichtung vieler skandinavischer Kollegen fast schon als verhalten bezeichnet werden muss.

Kristensen ist eher einer dieser Typen mit der Gitarre in der Hand, dem gerne gelauscht wird, weil seine Songs wie musikalisch untermalte Erzählungen ihre lyrischen Kreise ziehen. Das spartanisch anmutende Cover zu „Space“ findet im größtenteils minimalistischen Folk-Pop mit Americana-Texturen auch auf der akustischen Ebene einen geselligen Freund. Die Songs mögen wenig farbenfroh und auf den ersten Blick wie ein stilles Kämmerlein wirken, dessen Atmosphäre sich auf einem sehr begrenzten Raum ihren Weg bahnen muss. Dafür bleibt hingegen umso mehr geistige Freiheit für Sehnsuchtsmomente mit großer Dimension.

„Space“ offenbart uns einen Blick auf das zaghafte Wesen der Songs, die emotional von einem Zusammenhalt, aber auch Hilflosigkeit, Verlust, Trauer und Liebe gezeichnet sind. Gleichzeitig sind sie künstlerische Momentaufnahmen einer persönlichen Reise des Musikers zu sich selbst, der darin sowohl die Bitter- als auch Süßstoffe des Lebens nutzt, um zwischen den extremen Polen aus Glück und Tragödie eine Antwort auf die Sinnfrage zu finden. Dieser geht er in einer Tradition nach, die an die amerikanische Singer-Songwriter-Szene erinnert und die Verletzlichkeit des Individuums ins Zentrum seines Schaffens rückt.

Für die entstandenen Stücke bedeutet das in allererster Linie die Gewissheit mit ganz wenigen Mitteln auszukommen, die nicht viel mehr als Gitarre, Piano und etwas Bass benötigen, um ihre zurückhaltende Dynamik zu entfalten. Das kann man insgesamt als zu wenig und womöglich als beinahe reglos empfinden oder eben die angedeuteten Richtungsweiser für die eigene Vorstellungskraft und das weiterführende Kopfkino heranziehen. Songs wie „O Everyone“ oder „Godplans“ sind wie die stillen Begleiter auf der inneren Reise eines jeden selbst, die sich bewusst zurücknehmen, um anschließend die wachgerüttelten Gedanken und Gefühle aufzusammeln und uns noch tiefer ins Bewusstsein zu rücken.

Im Schongang lädt Chorus Grant seine Hörer zu sich ein. Und zwar in diesen Raum zwischen melancholischer Tiefe und lieblichem Idyll, dessen Schönheit eher als sanftes Licht durch die Tür zu uns scheint, die der Däne da einen Spalt breit aufmacht, um uns an seinen Eindrücken teilhaben zu lassen. Immer gerade weit genug für das Karussell der eigenen Imagination.

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