Sylvan Esso – Sylvan Esso

Zwei Welten prallen mit ungeheurer Wucht aufeinander und lassen dabei eine anschmiegsame Synergie entstehen: Beschaulicher Folk trifft wummernd-flirrende Elektro-Beats. Stimmchen trifft Händchen. Provinz trifft Club. Und das Debut Sylvan Essos voll ins Schwarze.

Gestatten: Das Elektro-Pop Duo besteht zum einen aus der Sängerin Amelia Meath, ursprünglich mit dem beschaulichen Folk-Trio Mountain Man unterwegs. Hinzu kommt der vornehmlich in den Dubstep-Gefilden herumlungernde Produzent Nicholas Sanborn. Fühlten sich beide in ihrem künstlerischen Schaffen zuvor noch unvollständig, so ergänzen sich Hanni und Nanni, Susi und Strolch, Bonnie und Clyde nun in ihren Fähigkeiten perfekt und erweitern laue Horizonte.

Denn genau hier lässt sich das Erstlingswerk bildlich am besten einordnen: In eine beschauliche Fahrt mit dem geliebten Gefährt, dem lauen Horizont entgegen. Unfassbar romantisch bis abgenutzt? Das Ganze bietet zumindest eine Plattform ungeliebter Assoziationen zu dudelnden 22.00Uhr-Radio-Remixes, die für gewöhnlich form-un-schön aus den Lautsprechern schrillen. Also hier: bitteschön, die herzige Alternative.

Einwand? Hegte ich lediglich mit der Befürchtung, dass ein so zartes Pflänzchen des Folk von triefenden Bässen erdrückt würde. Tatsache ist, dass die Produktion den Gesang schmeichelnd ummantelt, ihm eine Basis gibt, sich anschmiegt wie Nachbars Katz. So darf Meath ihre natürlichen Strukturen behalten, singt weiterhin über Luft und Liebe („Coffee“) und verleiht den beiden auch einmal eine düstere Note. Das Konzept kennen wir von den wunderbaren Me And My Drummer, nur bekommt es hier einen fetten Anstrich der elektronischen Sorte.

Tragende Rolle spielt dafür Sanborn, der sich mit seiner Profession auf das spannende Spiel einlässt: An den Reglern sorgt er für stimmungsuntermalende Soundgewänder – mal dick, mal fluffig. Behutsam führt der Produzent Meath mit dem Opener „Hey Mami“ mittels Loops in eine ungeniert gehaltene Story über Probleme von Frau („Look at that ass and I know / She floats along as she goes“), nur um inmitten des Songs seine Präsenz steigernd einzuflechten.

Dieses Handwerk wird auf Albumlänge artig fortgeführt: „H.S.K.T“ überlässt mit minimalistisch gehaltenen Beats der Sängerin das Zepter von Dominanz, welches diese auf dem gesamten Werk so schnell nicht mehr hergibt. Dafür braucht es ein abschließendes „Come Down“, das ein entspannendes Album in aller Geruhsamkeit ausklingen lässt. Dem Horizont entgegen.

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