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SBTRKT (Credit Young Turks)

SBTRKT – Wonder Where We Land

Tja, wo führt das Ganze hin? Ein Album, welches vor hochkarätigen Gästen nur so strotzt, dabei mit allerhand Beatspielereien nicht aus den Nähten zu platzen droht – und sich wie ein piekfein aneinander genähter Flickenteppich von einer kunterbunten Palette verschiedenartiger Einflüsse bedient.

Einen fixen Anhaltspunkt zum Festklammern bietet uns „Wonder Where We Land“, das Zweitlingswerk des umtriebigen Londoner Musikers Aaron Jerome, nicht. Der Herr hinter der Maske und dem klangvollen Namen SBTRKT (in eingefleischt-deutscher Sprechform etwa „Sabträckt“ – gern geschehen!) wurde schon mit seinem Debüt für die an den Dubstep angelehnten, sich dabei aber immer wieder auf andere Genres beziehenden Sounds gehörig hochgehoben. Und er legt nach.

Es dürfte wohl niemand erwartet haben, dass SBTRKT die himmelhohe Messlatte nochmals nach oben korrigiert. Doch es braucht auch keine Zehenspitzen für den Musiker, diese ohne Mühe weiterhin aufrecht zu halten.

Der Londoner gibt sich wie ein eifriges Kind mit seinem geliebten Baukasten: Fein säuberlich und punktgenau werden die verschiedenen Bausteine aufeinander geschichtet, aneinandergesetzt, mal aufgetürmt, mal im Hintergrund gelassen – ohne jemals zusammenzufallen. Breakbeats, Dubstep und Co ergeben ein Gesamtkonstrukt, auf welches fein säuberlich triefend-lässige R&B-Zeichen gesetzt werden. So gibt sich wiederholt Sampha die Ehre, leiht gleich mehrmals seine soulschwangere Stimme für einen leichten James Blake-Anstrich und hinterlässt mit der zuckersüßen Kollaborationspräsenz einen wohligen Vorgeschmack:

So geschehen etwa auf dem Titeltrack, welcher das Zerstreutsein und eine Suche nach Gewissheit auf allen Ebenen widerspiegelt. Beatboxhappen, flirrende Raumschiffsamples und Fragen aufwerfende Lyrics sehen einer Ungewissheit keineswegs mit Angst, sondern vielmehr mit Neugierde entgegen.

Wie den eiernden Ball eines Tennismatches schmeißt SBTRKT die Beats von links nach rechts, schiebt gediegene Pianoklänge in Orgelübergänge und findet für Gastsängerin Caroline Palochek die perfekten Nischen des Einsatzes auf dem Track „Look Away“. Das Chairlift-Drittel ist dabei nur eines der durchaus viel beschriebenen Blätter, welche der Musiker auf seinem Nachfolger den Hörern als Who Is Who der guten Musik vorwirft: Ebenso namhafte Referenzen bringen da etwa A$AP Ferg, Warpaint oder aber Jessie Ware mit.

Dabei sind es keine verfemdenden Stimmspielereien, sondern ehrlich-trocken verarbeitete Vocals, die sich trotz der unverblümten Übernahme nicht nackig zeigen, sondern von dem beatlastigen Konstrukt in ihrer Gänze getragen und von kleineren Track-Einschüben („Day 1“, „Day 5“) begleitet werden.

SBTRKT ist kein Mann alteingesessener Konventionen: kein Mann des Konzepts oder des Wiederaufnehmens vorgekauten Breis. Er findet neu und setzt zusammen – ganz so, wie es ein künstlerischer Anspruch gebietet und ohne Rechtfertigung, wie dieser sich zusammensetzt.

 

 

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