French For Rabbits – Spirits

„With the blues in my pocket and your heart in a locket“: So zauberschön zärtelt Sängerin Brooke Singer die entzückenden Titeltrack-Lyrics in das Mikrofon des Aufnahmestudios. Dieses verwandelt sich durch die vollendete Zusammenarbeit mit John Fitzgerald ganz schnell von einem grauen Komplex aus Absorbern, Reflektoren und Diffusoren in das lieblichste Elfenland der Musikwelt.

Wie bauschige Watte fühlt sich French For Rabbits Musik an. Passend dazu darf das Duo das „Land der langen weißen Wolke“ und zugleich das schönste Fleckchen Ozeaniens als seine Heimat bezeichnen: Lovely Brooke und John kommen aus dem himmlischen Neuseeland, welches nur selten mit wirklich wahrnehmbarer Musik aufwartet (The Nakes And Famous oder die Black Seeds zeigen dennoch, dass es auch abseits Lordes mit ein paar relativ bekannten, wundervollen Gesichtern protzen kann). Opulent und zugleich zart gestalten sich die melodiösen Werke der beiden Kiwis, die damit zugleich zeigen, inwieweit ein enges Zusammenarbeiten mit an Weggabelungen aufgesammelten Begleitmusikern zu einem großen lieblichen Ganzen führen kann.

Müsste man das gesamte Album auf ein einziges Blatt Papier bringen, so würde dieses vor pastellfarbener Buntheit nur so strotzen, sowie mit fließenden Übergängen und hier gediegenen, dort wirbelnden Farbverläufen bei geduldigen Pinselstrichen liebevoll versehen sein. Harmonische Pianoklänge sind an breit streichende Saiteninstrumente und im Zaum gehaltene Percussion-Elemente in steter gegenseitiger Abhängigkeit gekoppelt und bilden so ein warmes Nest für die zerbrechliche Stimme Brookes.

Das Bilden von tiefen Sphären steht weit im Vordergrund des Erstlings der Musiker. Folk-Bands nach dem Sinn Einar Strays mögen Vorbilder sein, von welchen sich – zugegeben – noch etwas mehr Varietät und Spannungsbögen abgeschaut werden können. Dennoch umarmen dich die Tracks, geben ein Gefühl von Wärme und Geborgenheit, jeweilige Fortsetzungen der Songs werden stimmig aneinander gestrickt und zusammengewoben, sodass dem Ganzen ein liebevoll bestücktes, ganzheitliches Debüt entspringt. Als allgemein festgeschrieben Regel dürften nach einem French For Rabbits-Konzert die bösen Rausschmeiß-Lichter erst nach einem Stündchen angemacht, die letzten Träumer nur ungemein zärtlich von den Türstehern herausgeschubst werden.

So weit ist der Weg aus der von „Spirits“ aufgebauten Traumwelt heraus, dass nach dem letzten Track des Albums das Zeitgefühl schlichtweg aussetzt – tatsächlich sind es nur knappe 40 Minuten, die zum Träumen und Entspannen einladen. Dabei setzt sich keine der reizenden Melodien hartnäckig in dem Labyrinth der Gehörwindungen fest. Was jedoch bleibt, ist eine Tiefenentspannung und innere Ausgeglichenheit. Warum renne ich eigentlich zum Pilates, wenn es doch solche Musik gibt? „Spirits“ ist nicht einzigartig, es ist nicht herausstechend. Es ist schlichtweg wunderschön.

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