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Eaves – Live im Studio 672, Köln

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Auf dem Weihnachtsmarkt am Kölner Stadtgarten gab sich eine schwer durchdringbare Menschenmasse den zweifelhaften Wonnen von weihnachtlich überteuertem Glühwein und schlechter Currywurst hin. Alles in allem eigentlich ein Ort, an dem man jetzt nicht unbedingt gerade sein wollte. Aber egal. Man war. Denn hinter dem seligen Menschengewusel lag auch irgendwo der Eingang zum Studio 672 in dem Neo-Folkie Nick Mulvey auftreten sollte.

Im Vorprogramm Eaves. Ein 23-jähriger Singer/Songwriter aus Leeds, der in England mit seiner ersten EP „As Old As A Grave“ quasi aus dem Stand die durch langjährige Erfahrung gewachsene Ohrenhornhaut von gestandenen Profi-Musikomanen, sprich Musikjournalisten, durchdrungen hatte. Eaves. Einfach nur Eaves – kein Vor oder Hinter.

Der eher kleine Raum des Studio 672 war auch nicht wesentlich leerer als der Weihnachtsmarkt. Und er war auffallend stark mit Vertreterinnen des weiblichen Geschlechts bevölkert. Ok, die Wirkung von sensiblen, jungen Männern mit guter Stimme und Akustikgitarre dürfte inzwischen ja hinlänglich dokumentiert sein. Ein paar Männer waren auch da. Diese aber wiederum eher in ihren Vierzigern. Komische Schnittmenge.

Gong! Konzertbeginn! Und das sogar pünktlich. Eaves stapfte auf die Bühne. Optisch machte er schon ein wenig den Eindruck, als wäre 1994 ein Grunger in ein Zeitloch gestolpert, um zwanzig Jahre später wieder aufzutauchen. Lange Haare. Dickes, offen getragenes Holzfäller-Karoshirt und eine abgewetzte Jeans, die schon mal bessere Tage gesehen hatte.

In England spielt er mit einer Begleitband. Hier war er nur allein mit seiner ziemlich gut klingenden Martin-Klampfe und seiner Stimme. Und die hat es in sich. Mit ihr modulierte er sich durch die diversen emotionalen Aggregatzustände seiner Songs. Einschmeichelndes Storytelling, samtige Melancholie, zärtliches Flüstern, originelle Vokalisen, auch schon mal ein gefühlvoller Brüller. 1a Stimmkontrolle jedenfalls. Und natürlich auch die dazu passende, gute Stimme, mit der er sich durch lyrisch ausgefeilte Impressionen aus seiner Working Class-Jugend singt. Eines seiner Vorbilder in Sachen Text ist übrigens der walisische Alkpoet Dylan Thomas.

Mit seinen Songs hat er sich auch die passenden Vehikel für sein Organ geschrieben. Vielschichtige Seelengesänge, die immer offen sind für eine weitere, unerwartete Wendung. Manchmal schon eher breitflächig angelegt. Kleine atmosphärische Trips in schon recht eigen gestaltete Songwelten. Das im nächsten Jahr erscheinende Debut-Album, auf dem er noch ein paar Instrumente mehr im Rücken haben wird, dürfte das wohl noch deutlicher herausstellen.

Zwischen den Songs präsentiert Eaves sich charmant, abgeklärt und konzentriert. Und auch immer mal wieder an einer Bierpulle nuckelnd. Ein bisschen Spaß muss ja schließlich sein.

Das alles verfehlte seine Wirkung nicht. Die Mädels lauschten so andächtig, dass sie das leere Bierglas in der Hand schon längst vergessen hatten. Und der Applaus steigerte sich von anfänglichem Höflichkeitsapplaus zu voller Lautstärke am Ende des Auftritts. Irgendeinen Nerv muss er also getroffen haben. Nachdem Eaves von der Bühne verschwunden war, hörte ich jemand sagen „Geile Stimme, der junge Mann!“. Ja, die hat er.

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