Clarence Clarity – No Now – Chaos Stille Wärme

Der Londoner Clarence Clarity ist ein Künstler mit einem unverwechselbaren Sound. Es ist eine Art Funk-Version von Ariel Pink, gemischt mit 70er und 80er Jahre Funk Jams. Die Songs auf seinem Debütalbum “No Now” sind mit Funk verzerrt und gleichzeitig entstellt mit erstickenden Synthie-Sounds. 20 Stücke hat er auf knapp 63 Minutes gepresst und diese Stunde ist anstrengend, manchmal nervig, aber auch eine Art Entdeckungsreise in eine Musikwelt, wie man sie bis jetzt noch nicht so oft gehört hat.

Das Album beginnt mit einem Chorgesang, bevor einem beim zweiten Song “Will To Believe” Funk, Synthie-Klänge und die verzerrte Stimme von Clarence Clarity mit Gewalt ins Gesicht schlagen. Es erklingen so klare Töne, als würde sich der Himmel öffnen, doch nur kurze Zeit später wird man sofort wieder in die Sound-Hölle von Clarence Clarity gezogen. Radiotauglich klingt anders, aber das ist auch nicht die Absicht von Clarence Clarity. Er ist ein verspielter Musiker, der versucht auf “No Now” so viele Sound-Elemente wie möglich unter einen Hut zu bringen.

Zum Beispiel “Hit Factory Of Sadness”, dieses Stück hört sich an, als hätte er den Soundtrack eines Video-Games genommen und es einfach rückwärts abgespielt. Es ist anstrengend, sehr anstrengend und man ist noch nicht mal bei der Hälfte des Albums angekommen. Da kommt ein halbwegs “normales” Stück wie “Bloodbarf” gerade recht. Hier klingt Clarence zwar wie ein durchgeknallter Jamiroquai, aber man kann doch einige klare Songstrukturen erkennen.

Wenn man dagegen ein Lied wie “One Hand Washes The Other” über Kopfhörer anhört, sei man schon mal im Vorfeld vor den hohen Pitches am Anfang des Stückes gewarnt, die könnten Ohrenbluten verursachen. Aber plötzlich inmitten des Stückes baut sich ein friedliches Feeling auf. Hat man sich jetzt verhört oder waren da wirklich gerade die Klänge eines Banjos herauszuhören?

Beim Titelstück “No Now” sind wieder elektronische Spielereien angesagt – mit einem Geräusch gegen Ende des Liedes, als hätte jemand einen Stein in ein Fenster geworfen. “Now I Am”, das Schlussstück, wartet mal wieder mit Chorgesang auf und dann kommt der abrupte Abbruch. Irgendwie wird man das Gefühl nicht los, als würde dieser Titel so eine Art Erlösung oder Absolution für den Künstler darstellen. Man spürt förmlich, wie ihm eine zentnerschwere Last von den Schultern fällt.

Jetzt erstmals durchatmen, die Platte beiseite legen und eine Woche ruhen lassen. Es herrscht Chaos, Anarchie, Lärm, aber auch Stille und Wärme auf “No Now”. Clarence Clarity hat mit diesem Werk seine eigene Welt erschaffen. Wer aber einmal daran geschnuppert hat, ist neugierig auf das, was er vielleicht verpasst hat und legt die Scheibe mit großer Sicherheit noch einmal auf den Plattenteller. Oder sogar mehrere Male.

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