Jenny Wilson – Demand The Impossible – Kunst und Künstlichkeit

Die Schwedin Jenny Wilson war schon immer eine Künstlerin, deren Musik sehr genau widerspiegelte, wer sie eigentlich ist. So verleiht ihren ehrlichen und zerbrechlich wirkenden Alben immer einen ganz persönlichen Ausdruck, dies machte sich immer wieder auch auf der Bühne bemerkbar. Ihr neuestes Werk “Demand The Impossible” nach dem wahrlich großartigen “Hardships” aus dem Jahre 2007 zeigt klanglich ein größeres Spektrum als alles, was sie vorher herausbrachte.

Die innere Sehnsucht danach, sich neu zu erfinden, muss es wohl auch gewesen sein, die Jenny Wilson in den zwölf neuen Songs musikalisches Terrain betreten ließ, das mit ihrem bisherigen Schaffen nicht mehr so viel gemeinsam hat. So sucht man rohe, entblößte Emotionen, zumindest in der Form, wie man sie von ihren Vorgängern kannte und schätzte, auf “Demand The Impossible” eher vergeblich. Denn anstatt sich mit ihrer so berührenden Stimme abermals hinter schwermütigen, reduzierten Arrangements zu verkriechen, scheint Wilson das Gefühl der Freiheit vielmehr in vollen Zügen zu genießen. Sie tobt sich endlich mal so richtig aus und wandelt dabei über das gesamte Album hinweg erstaunlich selbstsicher und erhobenen Hauptes auf dem schmalen Grat zwischen Kunst und Künstlichkeit.

Die Künstlichkeit rührt zum einen von den sehr dominierenden Synthies und Elektrobeats, mit denen sie hier bis zum Äußersten herumexperimentiert, zum anderen aber auch von dem gezielten Einsatz von Autotune. Wie sie mit all diesen Sounds und Effekten im Alleingang derart souverän und effektiv umzugehen und ihren Songs dadurch waschechten Pop-Appeal einzuflößen weiß, ohne dass man ihr jemals Seelenlosigkeit vorwerfen könnte, ist wiederum eine Kunst, die nur die wenigsten beherrschen. So muss man selbst dann, wenn man Jenny Wilsons Stimme lieber unverzerrt lauscht und Drum-Computern nicht viel abgewinnen kann, zweifellos anerkennen, dass in Songs wie dem zu Beginn leicht orientalisch angehaucht anmutenden Opener “Opposition” mit seiner New-Wave-Gitarre oder auch der Ohrwurm-Single “Restless Wind” einfach alles stimmt.

Viele Uptempo-Nummern sind auf dem Album vorhanden, dennoch ist es lange kein ausgesprochen sonniges Album geworden. Denn auch wenn “Mean Bone” musikalisch im Grunde leichtfüßig daherkommt, muss man ein wenig genauer hinhorchen, um zu realisieren, dass Traurigkeit nicht nur als stille Ballade daher kommen muss. So wird auch vor eher düsteren Songs mit metallisch klingenden und Industrial-Assoziationen hervorrufenden Synthies und Rhythmen, wie zum Beispiel “Autobiography” nicht zurückgeschreckt. Den großen Höhepunkt der Platte bildet am Ende dann aber doch wieder die ausgesprochen positiv gestimmte Hymne an das Leben, das zupackende “The Soup”.

Insgesamt lebt die Faszination von “Demand The Impossible” vor allem von den perfekten Arrangements. Jenny Wilson setzt mit einer kraftvollen Sicherheit Akzente an den richtigen Stellen oder lässt diese ebenso richtig weg, dass es einfach nur eine Freude ist.

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