Ein Britpop-Revival ist im Gange und obwohl mit Take That und später solo nicht unbedingt zum harten Genre-Kern zählend, ist Robbie Williams fest mit dem musikalischen Zeitgeist der 90er und darüber hinaus verbunden, hat sein kommendes Album schon einmal mit diesem Begriff gelabelt.
Die Ticketpreise von Oasis brechen derzeit Rekorde, solche waren in Leipzig nicht aufgerufen. Das Stadion war gestern mit über 40.000 Menschen gefüllt, wenn auch die Ränge einige Lücken hatten, als würden die Dauerkartenbesitzer des hiesigen Bundesliga-Vereins ein Heimspiel gegen Heidenheim schwänzen.
Die, die dreistellig in eine Konzertkarte investiert hatten, bekamen eine hohe Rendite in Form einer perfekten Show mit einem Protagonisten in Hochform. Im Vorprogramm nutzten The Lottery Winners die Gunst der Stunde, um mit ihrem quirligen Indie-Sound Punkte zu sammeln – Support für einen Weltstar kann langfristig tatsächlich einen Lottogewinn bedeuten.
Nach einem donnernden Intro erschien Robbie Williams im Astronauten-Outfit und liefert mit „Rocket“ – musikalisch voll dem Tour-Motto „Britpop“ entspechend – von der im Herbst erscheinenden Platte, einen umjubelten Auftakt. Abgeseilt für „Let Me Entertain You“ war die Titelzeile dieser Nummer im Anschluss die kommenden zwei Stunden programmatisch.
Mit dem Vorhaben unterwegs, am Status „King Of Entertainment“ zu arbeiten, hatte der Brite Hits aus dem Fundus von 12 Studioalben dabei. Selbst bestens bei Stimme, konnte Williams von Beginn an auf textsicheren Support der Fans zählen, die er in einem herzliches Geben und Nehmen-Verhältnis um den Finger wickelte. Gäbe es den Begriff „Rampensau“ noch nicht, müsste dieser für ihn erfunden werden.
Der 51-Jährige beherrschte das große 1×1 des Showbusiness: cool, charmant, witzig und irgendwie – nicht nur beim Bad in der Menge auf „The Road To Mandalay“ quer durchs Publikum auf die vorgelagerte C-Stage – ein nahbarer, bodenständiger Musiker und Mensch, dessen Storys und Anekdoten zwischen den Songs so gut choreografiert waren wie sie authentisch klangen, wenngleich die musikalischen Pausen von „Nippel-Gate“ bis Talk zwischen dem Teenie- und dem Best Ager-Robbie vielleicht manchmal etwas zu lang gerieten.
Selbstverständlich ist dem vierfachen Vater abzunehmen, dass er dato nicht wegen des Geldes, sondern wegen einer willkommenen Verschnaufpause von häuslichen Pflichten unterwegs ist und auch die sonstigen Verlockungen des Ruhms für den „Rock DJ“, der mit Kylie Minogue im Pool die Korken knallen ließ, mit Nicole Kidman von der Liebe sang und mit Daryl Hannah durch die Wälder ritt, sind – trotz vieler Flirts und Küsschen der weiblichen Besucherinnen – kein Thema mehr, „Love My Life“ bedeutet mehr als nur ein Lied .
Auf der Bühne wurde eine Breitseite abgefeuert: „Millennium“, „Come Undone“, „Kids“ – mit einer bestens aufgelegten Band und den in nichts nachstehenden Background-Sänger- und Tänzer*innen wurde das Konzert für junge und die – mehrheitlich vertretenen – junggebliebenen Fans zum Energiebooster.
Nach sehr offenen und persönlichen Worten am Ende eines begeisternden Abends stand außer Frage, dass hier einer zu Gast war, der weiter „My Way“ gehen wird. Noch einmal kam Robbie Williams zurück, um mit „Feel“ und „Angels“ für die ganz großen Emotionen zu sorgen.
„(I`ve Had) The Time Of My Life“ begleitete die Besucher*innen hinaus. Für viele bleiben die Songs von Robbie Williams untrennbar mit unvergesslichen Momenten ihrer Biografie verbunden und nicht nur die werden seine Einladung, gemeinsam mit ihm alt zu werden, annehmen.







