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Jimmy Somerville – Homage – Disco 2015

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Es hat lange gedauert, bis Disco rehabilitiert wurde. Nach dem weltweiten Discofieber der späten Siebziger und frühen Achtziger Jahre, hatte die Erinnerung an stereotype Hits, piefige Tanzschulkurse, Discostyle-Klamotten von C&A und andere kommerzielle Ausschlachtungen erst einmal überdeckt, dass Disco ursprünglich auch eine alternative Musikkultur war, die der Realität des Alltags bunten Hedonismus gegenüber setzte. Erst in den Neunzigern, als man in den strikt auf den Dancefloor ausgerichteten, straffen Beats der Discomusik einen Vorfahren von House und Techno erkannt hatte, korrigierte sich das Bild wieder.

Im allgemeinen, gutbürgerlichen Discotaumel der Boom-Jahre wurde auch gerne mal ausgeblendet, dass Disco und schwule Lebensart schon immer eine innige Beziehung hatten. Und wie für viele andere junge Schwule in dieser Zeit, war auch für Jimmy Somerville Disco ein Teil der mentalen Überlebensstrategie. Dem Mobbing, dem Somerville aufgrund seiner sexuellen Ausrichtung in seiner Heimatstadt Glasgow ausgesetzt war, bot Disco zumindest zeitweise eine Ausflucht. Dieser Liebe setzte er schon Mitte der Achtziger mehrere Denkmäler, als er mit Bronski Beat und The Communards ziemlich erfolgreich Disco-Klassiker wie „I Feel Love“, „Don’t Lead Me This Way“ oder „Never Can Say Goodbye“ coverte.

Und Disco hat ihn auch in seinen frühen Fünfzigern immer noch nicht verlassen. Eigentlich schon lange angedacht, traute er sich allerdings erst jetzt daran, seine Verehrung auch mal in eigene Töne umzusetzen. Auf seinem sinnigerweise „Homage“ betitelten, sechsten Solo-Album lebt er die Faszination, die Disco für ihn immer noch hat, konsequent über die ganze Album-Länge aus. Während er früher bei den Disco-Covern mit Bronski Beat oder The Communards die Stücke in den damals hippen Synthie-Pop transformierte, legt er auf „Homage“ absoluten Wert auf musikalische Authentizität. Zusammen mit dem Produzenten John Winfield fährt Somerville deswegen auch in der Instrumentation klassisch groß auf: Funkige Rhythmussection, Bläser, Streicher und Backgroundchöre.

Mit viel Liebe zum Detail und großer Kenntnis der damaligen Produktionstechnik sind die Arrangements bis in die letzten Bläserschnörkel und kleinsten Streicherarabesken sorgfältig ausgearbeitet. Dabei wird in den zwölf Stücken auf „Hommage“ Disco aber stilistisch nicht einfach nur nachgebaut, sondern perfekt nachempfunden. Wenn man das Album durch eine Hyperraum-Verwerfung o.ä. zurück in die Siebziger schicken würde, würde es nicht auffallen. Das heißt, eigentlich doch. Denn Stücke wie „Taken Away“, „Strong Enough“ oder „Travesty“ hätten auch damals in jeder Disco für einen Auflauf auf der Tanzfläche gesorgt und wären auch in den Charts keine Fremdkörper gewesen. Auch Somervilles markanten Falsettstimme merkt man an, dass sie sich im Umfeld von funky Gitarren, groovenden Bässen und schmissigen Bläsersätzen pudelwohl fühlt.

Dass „Homage“ für Jimmy Somerville eine leidenschaftliche Herzensangelegenheit ist, lässt sich quasi in jedem Ton raushören. Auf alle Fälle eine gelungene Hommage, die einen auch ohne weißen Travolta-Anzug ziemlich schnell zum Mitgrooven bringen kann.

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