Superstrings – Sound Of Slow – atmosphärische Klang-Wundertüten

Carolin Heiss und Marc-Sydney Müller alias Superstrings sind ein Duo, das sich nur wenig aus gängigen musikalischen Konventionen macht. Bereits auf dem Debütalbum “Speechballoon” präsentierte sich der deutsch-schweizerische Zweier als ein eng umschlungenes Klang-Projekt mit ausgeprägtem Hang zu mystisch arrangierten Soundflächen. Mit ihrem neuen Album “Sound Of Slow” legen die Superstrings nun noch eine Schippe drauf. Hier werden feudal aufbereitete Score-Themen auf dieselbe Reise geschickt wie sperrige Drum’n’Bass-Rhythmen oder Kantiges aus der Indie-Rock-Branche.

Nahezu jeder Song des Albums wandelt auf einem eigenen Pfad. Da wäre beispielsweise der mit lieblichen Harmonien bestückte Opener “Greater”; ein Song, der klingt, als hätte Emiliana Torrini ihre Leidenschaft für eingängige Dur-Sounds entdeckt. Kurz darauf geht es komplett in die entgegengesetzte Richtung. Plötzlich schälen sich musikgewordene Schatten durch die Boxen. Eingehüllt in einen atmosphärisch dichten Schleier lassen sich die Verantwortlichen, angeführt von der melancholisch gepolten, engelsgleichen Stimme der Vokalistin, auf eine aufwühlende Achterbahnfahrt der Emotionen ein (“Where Are We Going Today”).

Lust auf weitere Klang-Wundertüten? Kein Problem. Nach dem vertrackten Rhythmus-Wirbelwind namens “Old Melody”; einem trippelnden Drum’n’Bass-Feuerwerk, das Portishead-Liebhaber mit schier unüberwindbaren Tanz-Hürden konfrontiert, beschäftigen sich die Verantwortlichen  im Anschluss mit zwei aufeinander gestülpten Küchen-Woks (“Hang”). Wenn dann kurz vor der Album-Zieleinfahrt auch noch in kratzige Indierock-Wolken gehüllte Deftones-Erinnerungen geweckt werden, verabschiedet sich auch das letzte Augenbrauenhaar in Richtung Stirn (“Embrace”).

Zwar hätte man sich die beiden abschließenden Live-Anhängsel (“Who’s Gonna Save My Soul”, “Running Up That Hill”) sparen können, doch hinterlassen die beiden etwas orientierungslos umher wandelnden schwarzen Final-Schafe am Ende nur kleine Huf-Flecken auf einer ansonsten blütenweißen Sound-Wiese.

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